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Kalter Krieg:Kalter Krieg - US-Plan sah 91 Atombomben auf Ost-Berlin vor

Atomtest in der Wüste von Nevada

Ein Atompilz steigt nach der Explosion einer Atombombe über einem Testgelände in der Wüste von Nevada auf.

(Foto: dpa)

Im Fall eines Krieges mit der Sowjetunion plante die US-Führung massive nukleare Schläge gegen mehr als 2000 Ziele im Ostblock. Auch die Hauptstadt der DDR sollte "systematisch" zerstört werden.

Die USA wollten im Kriegsfall mit der Sowjetunion alleine in Ost-Berlin 91 Atombomben abwerfen. Das geht aus einem Plan des "Strategic Air Command" (SAC) von 1956 hervor, den das Nationalarchiv der Vereinigten Staaten nun veröffentlicht hat. Eigenen Angaben zufolge ist es die detaillierteste Aufstellung dieser Art, die je publiziert wurde.

Das SAC listete mehr als 1100 Flugplätze in sowjetischem Gebiet auf sowie mehr als 1200 Ziele in Städten, die als industrielle Ziele für eine "systematische Zerstörung" vorgesehen waren. Die Ziele auf beiden Listen wurden nach Dringlichkeit sortiert, wobei der Zerstörung der sowjetischen Luftwaffe die Priorität eingeräumt wurde.

In der Nähe der Hauptstadt der damaligen DDR befanden sich mehrere Luftwaffenstützpunkte unter den Top-200-Zielen: Templin/Groß Dölln (Nummer 70), Werneuchen (Nummer 82), Oranienburg (Nummer 95), Welzow (Nummer 96) und Briesen (Nummer 140).

Diese wären mit thermonuklearen Waffen angegriffen worden, die große Gebiete in der Umgebung radioaktiv verseucht hätten. Die vorgesehenen Bomben hätten eine Größe von 1,7 bis 9 Megatonnen gehabt. Schon eine Megatonne hat die 70-fache Sprengkraft der Hiroshima-Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg.

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Doch auch Ost-Berlin selbst sollte im Ernstfall im Jahr 1959 "systematisch zerstört" werden, zudem sollte gezielt die "Bevölkerung" getroffen werden, heißt es in dem mehr als 800 Seiten langen Dokument.

Das gleiche gilt für andere Metropolen im Osten bis hin zu Peking. Ganz oben auf der Liste standen die Städte Moskau und Leningrad, das heutige Sankt Petersburg, in denen 179 beziehungsweise 145 Ziele verzeichnet sind.

Laut Meinung der Autoren des Berichts hätten die Angriffe Zivilisten und auch "freundliche Kräfte" massiver nuklearer Strahlung ausgesetzt - wahrscheinlich auch in West-Berlin.