bedeckt München

Kämpfe um Aleppo:US-Verteidigungsminister sieht Assad-Regime am Ende

Mit Panzern, Kampfflugzeugen und schwerer Artillerie versucht die Regierung des syrischen Präsidenten Assad, die Aufständischen in der Wirtschaftsmetropole Aleppo niederzuringen. Hunderttausende Menschen sollen auf der Flucht sein. US-Verteidigungsminister Panetta spricht vom "Sargnagel" für das Assad-Regime.

Die schweren Angriffe auf Aleppo bedeuten nach Einschätzung des US-Verteidigungsministers Leon Panetta das Ende der Regierung des syrischen Machthabers Baschar al-Assad. "Was Assad seinem eigenen Volk angetan hat und weiter antut, macht der Bevölkerung klar, dass sich sein Regime dem Ende zuneigt", sagte Panetta am Sonntag in Tunesien zu Beginn seiner Reise durch den Nahen Osten und Nordafrika. "Ich denke, es wird letztlich Assads Sargnagel sein."

Panetta wiederholte seine Forderung an die internationale Gemeinschaft, gemeinsam die Regierung von Assad abzusetzen, nannte jedoch keine neuen Schritte der USA. Er kündigte lediglich an, die Opposition zu unterstützen.

Die Lage in Syrien ist dramatisch. Rund 200.000 Menschen sind nach Schätzungen des Roten Kreuzes und des Roten Halbmonds in den vergangenen Tagen vor den schweren Kämpfen aus der Wirtschaftsmetropole geflohen. Aber noch viele der knapp zwei Millionen Einwohner dürften sich in der Stadt aufhalten.

"Niemand weiß, wie viele Menschen an Orten gefangen sind, an denen die Kämpfe weitergehen", erklärte die UN-Nothilfekoordinatorin Valerie Amos am Sonntag in New York. Sie forderte die Truppen des Regimes von Präsident Assad und die Aufständischen auf, Zivilisten zu verschonen und Helfern sicheren Zugang zu gewähren.

Die Regierungstruppen hatten am Wochenende eine Offensive gegen die Aufständischen in Aleppo begonnen. Unterstützt von Kampfflugzeugen, Hubschraubern und schwerer Artillerie rückten Panzer und Soldaten gegen Stellungen der oppositionellen Freien Syrischen Armee (FSA) vor. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte in London sprach von den schwersten Kämpfen seit Beginn der Revolte gegen Assad im März 2011.

Arabische Liga spricht von Kriegsverbrechen

Größere Gebietsgewinne blieben bis zum Sonntag aber aus. Dennoch zeigte sich das Regime zuversichtlich, die Rebellen zu vertreiben. "Sie wurden in Damaskus besiegt und sie werden in Aleppo besiegt werden", sagte der syrische Außenminister Walid al-Muallim am Sonntag bei einem Besuch in der iranischen Hauptstadt Teheran. Zugleich sprach er von einer globalen Verschwörung gegen sein Land, mit Israel als "Drahtzieher und führendem Provokateur".

Der iranische Außenminister Ali Akbar Salehi pflichtete seinem Gast bei. Die ausländischen Unterstützer der Rebellen, darunter Saudi-Arabien, Katar und die Türkei, sollten nicht naiv sein und glauben, dass ein Regimewechsel in Syrien einfach zu erreichen sei. Iran ist der treueste Unterstützer des Assad-Regimes.

Der Generalsekretär der Arabischen Liga, Nabil al-Arabi, bezeichnete das Blutvergießen in Syrien als Kriegsverbrechen. "Was in Syrien stattfindet, vor allem in der Stadt Aleppo, ist gleichbedeutend mit Kriegsverbrechen", zitierte ihn die ägyptische Nachrichtenagentur Mena.

Landesweit kamen am Sonntag nach Angaben von Aktivisten in Syrien 95 Menschen ums Leben, die meisten von ihnen in Aleppo, den Vororten von Damaskus und in der südlichen Provinz Daraa, wo in der Ortschaft Scheich Meskin mindestens 30 Menschen getötet worden sein sollen. Ihre Leichen seien verbrannt worden, berichteten Aktivisten. Eine unabhängige Überprüfung der Angaben war nicht möglich.

© AFP/dpa/Reuters/gal/dgr
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema