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Kämpfe in Libyen:Gaddafi-Anhänger erobern Bani Walid zurück

Rückschlag für die Übergangsregierung in Libyen: Anhänger des getöteten Machthabers Muammar al-Gaddafi haben die Stadt Bani Walid zurückerobert. Das geht aus übereinstimmenden Medienberichten hervor. Bei den Kämpfen sollen mindestens fünf Menschen getötet und noch mehr verletzt worden sein.

Anhänger des getöteten libyschen Ex-Diktators Muammar al-Gaddafi haben die Stadt Bani Walid zurückerobert. Das berichteten am Montag übereinstimmend die arabischen Fernsehsender al-Dschasira und al-Arabija. Bei der Erstürmung der Stadt sollen mindestens fünf Menschen getötet und 20 weitere verletzt worden sein. Der Vorsitzende des libyschen Übergangsrates, Mustafa Abdul Dschalil, entsandte daraufhin Einheiten des Verteidigungsministeriums, um die Lage wieder unter Kontrolle zu bringen.

Bis zu 150 Anhänger des gestürzten Machthabers hätten eine alte Libyen-Flagge gehisst und die gegnerischen Truppen mit Granaten und Sturmgewehren angegriffen, sagte ein Sprecher der Revolutionskämpfer. Es sei nicht ihr erster Versuch gewesen, das Büro der Übergangsregierung einzunehmen, sagte der Sprecher. "Sie kontrollieren jetzt die Stadt. Sie fahren in der Stadt umher", sagte ein Kämpfer der Regierungstruppen.

Der libysche Innenminister Fausi Abdelali dementierte gegenüber dem Fernsehsender Libya, dass Gaddafi-Anhänger die Stadt angegriffen hätten. Seinen Informationen zufolge handelte es sich um "interne Probleme" der Stadtbewohner. Demnach gab es einen Streit über Ausgleichszahlungen für die Opfer des Krieges. Grüne Flaggen seien nicht in der Stadt gehisst worden, sagte er.

Das 200 Kilometer von der Hauptstadt Tripolis entfernte Bani Walid war im vergangenen Jahr einer der letzten Orte, in denen Gaddafi-Anhänger noch gegen die Oppositionellen kämpften. Wenige Tage vor dem Tod des früheren Machthabers Mitte Oktober nahmen Kämpfer des libyschen Übergangsrats die Stadt ein. Die jüngsten Kämpfe sind die schwersten in Bani Walid seit dem Ende der achtmonatigen Unruhen.

Streit um Prozess gegen Saif al-Islam

Dem Sohn des früheren libyschen Machthabers Gaddafi, Saif al-Islam, kann nach Angaben aus Tripolis in Libyen der Prozess gemacht werden. Der Internationale Strafgerichtshof (IStGH) in Den Haag habe "akzeptiert, dass der Prozess in Libyen stattfindet und die libysche Justiz über Saif al-Islam urteilt", sagte Justizminister Ali H'mida Aschur.

Ein Sprecher des IStGH dementierte die Angaben aus Tripolis. Es sei allerdings noch keine Entscheidung getroffen worden, sagte er in Den Haag.

Der Nationale Übergangsrat hatte bereits nach der Festnahme erklärt, dem Gaddafi-Sohn in Libyen den Prozess machen zu wollen. Der IStGH hatte Ende Juni 2011 Haftbefehl gegen Saif al-Islam erlassen. Ihm werden Verbrechen gegen die Menschlichkeit vorgeworfen, die er seit Mitte Februar vergangenen Jahres begangen haben soll. Damals hatten die Sicherheitskräfte des Landes damit begonnen, die Aufstände niederzuschießen.

Saif al-Islam sitzt in einem Militärgefängnis in Sintan, rund 180 Kilometer südwestlich von Tripolis. Der Gerichtshof in Den Haag hatte den libyschen Behörden bis zu diesem Montag Zeit gegeben, um sich dazu zu äußern, "ob und wann" sie den Gefangenen an Den Haag überstellen wollen.