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Kämpfe im Kongo:Was sind die Hintergründe?

Der gegenwärtige Konflikt kommt nicht aus dem Nichts. Die Geschichte des Kongos ist geprägt von der Herrschaft verschiedener Kolonialmächte, die Millionen Kongolesen versklavten. Nach der Unabhängigkeit im Juni 1960 folgten zunächst fünf unruhige Jahre unter Ministerpräsident Patrice Lumumba. 1965 putschte sich Diktator Joseph Mobutu an die Macht.

Polizisten der kongolesischen Regierung.

(Foto: AFP)

Anfang der neunziger Jahre stürzte der Bürgerkrieg in Ruanda den Kongo in eine tiefe Krise. In dem Nachbarland bekriegten sich die beiden Volksgruppen der Hutu und Tutsi, 1994 gipfelten die Kämpfe im Völkermord der Hutu an Hunderttausenden Tutsi und gemäßigten Hutu. Um den Völkermord zu stoppen, griff die von Tutsi dominierte Exilpartei Ruandische Patriotische Front (RPF) ein und beendete den Bürgerkrieg. Die RPF stellte in der Folge die Regierung, was mehr als zwei Millionen Hutu zur Flucht über die Grenze in den Kongo veranlasste.

Gemeinsam mit dem noch regierenden Diktator Mobutu begannen sie, die Tutsi im Kongo zu bekämpfen. Doch diese wehrten sich erfolgreich, stürzten im Laufe dieses "Ersten Kongokriegs" Mobutu und machten Laurent Kabila zum neuen kongolesischen Präsidenten.

Doch auch Kabila konnte die Hutu nicht vollständig zurückschlagen - weshalb die Tutsi-dominierte Regierung im Nachbarland Ruanda Truppen schickte, um ihn abzulösen. Kabila rief nach Hilfe - und wurde gehört. In den folgenden Jahren bekriegten sich auf dem Boden der Demokratischen Republik Kongo Kämpfer aus dem eigenen Land, aus Simbabwe, Namibia, Angola und Ruanda. Mehr als Fünf Millionen Menschen starben. Erst 2003 wurde der "Zweite Kongokrieg" formal beendet.

2006 gewann der Sohn des 2001 verstorbenen Laurent Kabila, Joseph, die demokratische Wahl, die im Friedensvertrag festgeschrieben war. Seither ging es für weite Teile des Landes bergauf, die Demokratische Republik Kongo konnte sich weitgehend stabilisieren.

Doch im Osten des Landes kam es weiterhin zu Kämpfen ("Kivu-Krieg" oder"Dritter Kongokrieg" genannt). Bis 2008 lieferte sich die kongolesische Regierungsarmee hier Gefechte mit Truppen aus Ruanda und lokalen Milizen, die nicht am Friedensprozess nach dem zweiten Kongokrieg beteiligt wurden. Dann verschoben sich die Fronten - Kongo und Ruanda schlossen sich im Kampf gegen eine Gruppe ruandischer Hutu-Rebellen zusammen. Außerdem erklärten die Tutsi-Milizen 2009 ihrerseits ein Ende der Kämpfe. Ein Friedensabkommen sollte ihre Aufnahme in die kongolesische Regierungsarmee garantieren.

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