Kämpfe im Irak IS tötet iranischen General

"Märtyrer im Kampf gegen die Terroristen": Trauerfeier in Teheran für General Taghavi, den Kämpfer des IS im Irak getötet haben.

(Foto: Ebrahim Noroozi/AP)
  • Der iranische Offizier Hamid Taghawi ist im Irak "als Märtyrer im Kampf gegen die Terroristen" des IS gefallen. Offiziell war der Brigadegeneral als Militärberater im Nachbarland.
  • Teheran bestritt bisher direkte Einsätze gegen die sunnitische Terrormiliz.
  • Taghawi war Veteran des Krieges gegen den Irak, damals verlor er seinen Vater und einen Bruder.
Von Rudolph Chimelli, Paris

General fällt 110 Kilometer nördlich von Bagdad

Der iranische Brigadegeneral Hamid Taghawi ist bei der Verteidigung der Stadt Samarra, 110 Kilometer nördlich der irakischen Hauptstadt Bagdad, von Kämpfern des Islamischen Staates (IS) getötet worden. Nach Teheraner Lesart befand sich der General, der zur Truppe der Revolutionswächter "Pasdaran" gehörte, als Berater der irakischen Truppen und der mit ihnen verbündeten schiitischen Milizen im Irak. Offiziell sieht Teheran sich nicht als Bürgerkriegspartei und will vor allem den Anschein vermeiden, die Iraner seien im Kampf gegen den IS Verbündete der USA. Doch unterstützt Iran die Regierung in Bagdad mit mindestens 1000 sogenannten Beratern sowie mit Waffen und Luftaufklärung.

Nach einem Communiqué der Pasdaran fiel der General "als Märtyrer im Kampf gegen die Terroristen von Daesch". Dies ist der im Arabischen und Persischen gebräuchliche Ausdruck für den IS. Gemeinsam mit Taghawi wurden zwei Mitglieder der iranischen Volksmiliz Basidsch getötet, die gleichfalls als Freiwillige in den Irak gehen. In den vergangenen Wochen haben Teheraner Medien bereits mehrmals den Tod iranischer Soldaten im Irak und in Syrien gemeldet, doch der General ist der bisher ranghöchste Offizier.

Der IS veröffentlichte ein Foto von Taghawi und zwei Begleitern, auf dem der Kopf des Generals rot umrandet ist. Der Begleittext darauf lautet: "Foto des Ungläubigen Hamid Taghawi, der von den Männern des IS in der Gegend von Samarra liquidiert wurde."

Taghawi verlor Vater und Bruder im Krieg gegen den Irak

Auf der Trauerfeier für den General in Teheran sagte der Sekretär des nationalen Sicherheitsrates Irans, Ali Schamkani: "Manche fragen, warum unsere Leute in Samarra oder anderswo im Irak ihr Blut lassen. Wenn sie es nicht täten, müssten wir bald in Aserbaidschan, Belutschistan, Chusistan und Kurdistan kämpfen." Die Leiche des Generals, der aus der Erdölprovinz Chusistan stammte, wurde anschließend in seine Heimat gebracht, wo er an diesem Dienstag in Ahwas beigesetzt werden soll. Taghawi war Veteran des Krieges gegen den Irak, in dem sein Vater und einer seiner Brüder ums Leben kamen.

Samarra ist eine der den Schiiten heiligen Städte. Der zehnte und der elfte Imam sind hier in einer prächtigen Grabmoschee beigesetzt, der zwölfte Imam wurde nach schiitischem Glauben in Samarra "entrückt", bis er am Ende der Zeiten als Mahdi, eine Erlöserfigur, auf die Erde zurückkehren wird. Die Mehrheit der 350 000 Einwohner Samarras gehört der Minderheit der Sunniten an, ebenso wie die Bewohner des Umlandes. Im Februar 2006 sprengten sunnitische Extremisten die goldene Kuppel der Moschee in die Luft, was eine der blutigsten Phasen des irakischen Bürgerkriegs einleitete.

Für Teheran wäre eine rote Linie überschritten, wenn es dem IS gelänge, Samarra oder eine der beiden heiligen Städte Nadschaf und Kerbela einzunehmen oder sie ernsthaft zu gefährden. In dieser Lage würde eine direkte iranische Intervention praktisch unvermeidlich. Im ersten Ansturm nach der Eroberung von Mossul im Sommer wäre es dem IS beinahe geglückt, auch Samarra zu überrennen. Doch die Iraner griffen mit Elite-Soldaten der Jerusalem-Brigade der Pasdaran ein. Sie stabilisierten an dieser Stelle die wankenden Einheiten der irakischen Armee. Es ist jedoch ein offenes Geheimnis, dass die IS-Kämpfer auch danach mehrmals an den Rand Samarras gelangten. Der Weg aus den von ihnen beherrschten Gebieten durch die leere Wüste zur Stadt am Ostufer des Tigris ist für ihre motorisierten Kommandos nicht allzu schwierig.

Suleimani leitet iranische Operationen im Irak

Die iranischen Operationen im Irak werden vom Chef der Jerusalem-Brigade, General Kassem Suleimani, geleitet. Er verbringt etwa die Hälfte seiner Zeit in Bagdad. Wo immer es bisher den irakischen Regierungstruppen und ihren Helfern gelang, verlorenes Gelände zurückzugewinnen, hatte Suleimani seine Hand im Spiel.

Er verfügt über enge Verbindungen zum irakischen Machtapparat, dessen Sicherheitskräfte zum großen Teil aus der früheren Division Badr stammen. Diese Division, bestehend aus irakischen Regimegegnern und Überläufern, wurde während des Krieges gegen den Diktator Saddam Hussein von den Iranern ausgerüstet. Aus der Division wurde im heutigen Irak die "Organisation Badr". Sie wird geleitet von einem Intimus Suleimanis, dem ehemaligen Transportminister Hadi al-Amiri, und verfügt über 10 000 bis 15 000 Kämpfer. Weitere 10 000 bis 50 000 schiitische Kämpfer kann die Mahdi-Armee des populären Predigers Muktada al-Sadr aufbieten.