Kämpfe gegen Terrormiliz IS:Kurden dringen in Europaparlament ein und fordern Hilfe

Kurden demonstrieren in Hamburger Bannmeile

Zeichen der Solidarität mit den Menschen in der nordsyrischen Stadt Kobanê: Kurden demonstrieren auf der Hamburger Bannmeile vor dem Rathaus.

(Foto: dpa)
  • Europaweit setzen die Kurden ein Zeichen der Solidarität mit den Menschen im umkämpften Kobanê.
  • Im Europaparlament in Brüssel demonstrieren Kurden und fordern Hilfe gegen die IS-Milizen.
  • In Istanbul kommt es zu Zusammenstößen mit der Polizei.
  • In den Niederlanden dringt eine Gruppe von Demonstranten in das Parlament in Den Haag ein.
  • In Deutschland gehen Tausende Kurden auf die Straße. Die Proteste verlaufen weitgehend friedlich, in Celle kommt es allerdings zu einer Schlägerei.

Während im Norden Syriens die IS-Kämpfer offenbar in Kobanê eingerückt sind, kommt es in Europa zu spontanen Demonstrationen: Etwa 200 Demonstranten versammelten sich an diesem Dienstag in der Abflughalle des Brüsseler Flughafens und verlangten humanitäre und militärische Hilfe für die Einwohner von Kobanê.

In Brüssel drangen Kurden für kurze Zeit ins Europaparlament ein. Die teilweise traditionell gekleideten Aktivisten schwenkten Fahnen und forderten Hilfe gegen die IS-Milizen. Mehrere Abgeordnete versuchten, die Kurden zu beschwichtigen, schreibt SZ-Korrespondent Daniel Brössler. Etwa 50 Demonstranten hätten es etwa eine Dreiviertelstunde lang in das Gebäude geschafft, vor dem Eingang hätten weitere 100 protestiert.

Nach Angaben eines Teilnehmers aus Deutschland waren etwa vierhundert Demonstranten aus ganz Europa angereist. "Wir bleiben hier, bis endlich etwas gemacht wird", sagte er der Nachrichtenagentur dpa. "Sie bringen alle um. Wir müssen unser Volk schützen." Die Bevölkerung sei den Angriffen der gut ausgerüsteten Terrormiliz Islamischer Staat (IS) nicht gewachsen.

In Istanbul endeten die Proteste in der Nacht auf Dienstag in Krawallen: Auf der zentralen Einkaufsstraße İstiklal Caddesi sollen die Demonstranten einem Agenturbericht zufolge Steine geworfen haben. Die Nachrichtenagentur Dohan berichtete, Protestierende hätten Steine, Feuerwerkskörper und Brandbomben auf Polizisten geworfen. Unbekannte hätten einen Bus in Brand gesetzt. Die Auseinandersetzungen im Stadtzentrum dauerten bis weit nach Mitternacht an. Die Nachrichtenagentur DHA meldete, auch in anderen, meist kurdischen Vierteln Istanbuls, sei es zu Zusammenstößen gekommen. Angaben über mögliche Festnahmen oder Verletzte lagen zunächst nicht vor.

Ebenfalls am Montagabend war es in mehreren deutschen Städten zu spontanen Protestaktionen gekommen:

  • In Berlin haben sich nach Angaben der Polizei etwa 600 Kurden versammelt. Für diesen Dienstagvormittag war eine weitere Demonstration angemeldet.
  • In mehreren Städten in Nordrhein-Westfalen gingen 3000 friedliche Kurden auf die Straße. In Düsseldorf und Bonn drangen die Demonstranten kurzzeitig in die Gebäude des Westdeutschen Rundfunks und der Deutschen Welle ein. Dort übergaben etwa 60 Aktivisten den Verantwortlichen eine Resolution, in der sie Solidarität mit den Menschen in Kobanê forderten. Außerdem verlangten sie "humanitäre Hilfe für die geflohenen Frauen und Kinder und langfristige Projekte, um Frauen, Mädchen und Kindern eine Überlebensperspektive zu bieten".
  • Auch in Niedersachsen kam es in mehreren Städten zu Protesten: In Hannover versammelten sich 450 Menschen mit Bannern und Plakaten am Ernst-August-Platz. Etwa 150 von ihnen zogen im Anschluss weiter zum Flughafen Hannover-Langenhagen und demonstrierten vor dem Terminal einer türkischen Fluggesellschaft. Die Kundgebungen verliefen friedlich. Betroffen war auch das Landesfunkhaus Niedersachsen des Norddeutschen Rundfunks. In der Nacht auf Dienstag versammelten sich hier etwa 20 Menschen. Auch in Göttingen gab es Proteste, hier versammelten sich 350 Demonstranten Gänseliesel und zogen mit ihren Plakaten durch die Stadt. 50 Menschen zelteten bis in den Morgen hinein auf dem Marktplatz.
  • Eine Massenschlägerei mit etwa 100 Beteiligten gab es in Celle. Hier trafen in der Nacht auf Dienstag nach ersten Erkenntnissen Gruppen von Jesiden und tschetschenischen Muslimen aufeinander. Nach einigen verbalen Auseinandersetzungen eskalierte der Streit und beide Parteien gingen aufeinander los. Die Polizei beendete die Auseinandersetzung. Fünf Menschen wurden verletzt, einer davon schwer. Gegen die Beteiligten laufen nun Strafverfahren wegen gefährlicher Körperverletzung und schweren Landfriedensbruchs.
  • In Bremen demonstrierten etwa 300 Menschen im öffentlichen Bereich des Flughafens. In Hamburg und Kiel gingen jeweils 200 Menschen für Solidarität mit den Kurden in Kobanê auf die Straße. Vor dem Rathaus in Hamburg projizierten die Demonstranten Nachrichtenbilder aus den umkämpften Krisenregionen an die Wand. Dabei schwenkten sie Fahnen und riefen Parolen zur Unterstützung der Kurden im Kampf gegen die IS-Terrormiliz. Die Demonstration sei zunächst weitgehend friedlich verlaufen, sagte ein Polizeisprecher. Erst nachdem sich die Gruppe vom Rathausplatz zurück zum Hauptbahnhof bewegte, wurden mehrere Autos und ein türkischer Imbiss demoliert. Insgesamt 14 Menschen wurden in Gewahrsam genommen.

Demonstranten stürmen Parlament in den Niederlanden

Im niederländischen Den Haag drang am Montagabend eine große Gruppe kurdischer Demonstranten in das Parlament ein. Nach einem Gespräch mit der Vorsitzenden der Zweiten Kammer des Parlamentes, Anouchka van Miltenburg, verließen die Demonstranten am frühen Morgen das Gebäude wieder. Vor dem Parlament demonstrierten Hunderte Aktivisten, berichteten niederländische Medien.

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