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Attentat auf Rabbani in Kabul:Ex-Präsident Afghanistans bei Anschlag getötet

Der frühere afghanische Präsident Burhanuddin Rabbani ist bei einem Bombenanschlag in Kabul ums Leben gekommen. Rabbani war Chef des Hohen Friedensrates und sollte mit den Taliban eine politische Lösung des Konflikts am Hindukusch aushandeln. Seine Ermordung ist ein schwerer Rückschlag für eine Aussöhnung in Afghanistan.

Schwerer Rückschlag für eine Aussöhnung der Afghanen: Bei einem Bombenanschlag in Kabul ist der frühere Präsident Burhanuddin Rabbani getötet worden. Dies bestätigte die afghanische Polizei.

Burhanuddin Rabbani killed in bomb attack at his home

Burhanuddin Rabbani ist offenbar in Kabul bei einem Bombenanschlag ums Leben gekommen.

(Foto: dpa)

Rabbani habe sich zur Zeit des Anschlags am Dienstag in seiner Wohnung mit zwei Vertretern der Taliban getroffen, hieß es aus Kreisen des Hohen Friedensrates. Ob diese beiden Taliban an dem Anschlag beteiligt waren, blieb zunächst unklar.

Rabbani leitete den Friedensrat, der mit den Aufständischen Verhandlungen führt. Rabbani sei einen "Märtyrertod" gestorben, sagte Mohammad Zahir, der Chef der Kriminalabteilung der Polizei in Kabul. "Ein als Besucher getarnter Selbstmordattentäter hat sich in die Luft gesprengt und ihn getötet".

Zwei weitere Menschen seien bei dem Anschlag verletzt worden, sagte Zahir. Der afghanische TV-Sender Tolo hatte zunächst berichtet, bei dem Anschlag seien neben Rabbani fünf weitere Menschen ums Leben gekommen.

Der frühere Präsident habe mit Taliban-Vertretern gesprochen, bestätigte Arsala Rahmani, ein Mitglied des Hohen Friedensrats von Afghanistan. "Sie könnten ihn getötet haben", sagte er, ohne weitere Details zu nennen.

Rabbani führte im Auftrag von Präsident Hamid Karsai mit den Taliban Verhandlungen. Der Politiker und Theologe war 1996 von den Taliban faktisch aus dem Präsidentenamt gejagt worden. Er hatte dieses Amt aber nach offizieller Lesart der Vereinten Nationen weiter inne, bis er es im Jahr 2001 an Karsai übergab.

In Deutschland warnten die Grünen vor einer verschärften Sicherheitslage vor allem im Norden des Landes infolge des Anschlags. "Das ist ein verheerender Rückschlag für den Friedens- und Annäherungsprozess", sagte der Sicherheitspolitik-Experte der Grünen-Fraktion, Omid Nouripour. Dies gelte gerade für den Norden, wo die Bundeswehr für die Sicherheit zuständig ist. Denn dort seien die Anhänger Rabbanis vorwiegend ansässig, die nun möglicherweise auf Vergeltung sinnen. "Der Gesprächsfaden mit ihnen muss verstärkt werden, so dass der Friedensprozess nicht zum Erliegen kommt", forderte Nouripour.

Rabbani hatte sich am "Heiligen Krieg" gegen die sowjetischen Besatzer von 1979 bis 1989 beteiligt. Nach dem Sturz des letzten Moskau treuen Regimes in Kabul 1992 wurde er Präsident. In der Folge war er in den Bürgerkrieg um die Macht verstrickt, in dem die Hauptstadt zerstört wurde und mehr als 20.000 Menschen ums Leben kamen.

Der frühere Mudschaaheddin-Kämpfer Rabbani war während des Taliban-Regimes einer der führenden Figuren der so genannten Nordallianz, die sich im Norden Afghanistans gegen die Taliban auflehnten. Während seiner Präsidentschaft galt er in Glaubensfragen als vergleichsweise liberal, erlaubte Frauen zu arbeiten und ermöglichte Mädchen den Zugang zu Bildung.