Kabinett in Frankreich:Hollandes Orgie der Offenbarung

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Frankreichs Staatspräsident François Hollande auf den Stufen des Palais de l'Elysée.

(Foto: REUTERS)

Alle 38 Kabinettsmitglieder der französischen Regierung mussten auf Geheiß von Staatspräsident Hollande ihren Besitz offenlegen. Reichstes Kabinettsmitglied ist demnach der Außenminister, andere deklarieren ihr altes Fahrrad oder ein T-Shirt von David Beckham. Kritiker bemängeln, die Aktion verführe zum Voyeurismus und gebe keine Garantie auf Vollständigkeit.

Von Stefan Ulrich, Paris

Es gibt aufregendere Internetseiten als das Portal der französischen Regierung www.gouvernement.fr. Am Montagabend aber klickten viele Franzosen gespannt auf diese staatstragende Seite, die delikate Enthüllungen verhieß. Denn da veröffentlichte die Regierung mit Detailfreude die Vermögensverhältnisse des Premiers Jean-Marc Ayrault und seiner 37 Kabinettsmitglieder.

Wie reich ist der Industrieminister und Kapitalisten-Schreck Arnaud Montebourg? Wie viele Autos fährt die grüne Ministerin für sozialen Wohnungsbau, Cécile Duflot? Wer ist der Krösus unter den Ressortchefs? Auf diese Fragen bekamen die Bürger nun Antworten.

Vermögendster Mann im sozialistisch dominierten Kabinett ist demnach nicht der Premier, der Besitztümer im Wert von 1,55 Millionen Euro deklariert. Krösus ist vielmehr Außenminister Laurent Fabius. Er bringt es auf sechs Millionen Euro. Wertvollste Posten seiner Liste sind ein Pariser Appartement (2.750.000 Euro) und ein Anteil am Versteigerungshaus Piasa. Monsieur Montebourg vom linken Flügel der Sozialisten deklariert 600.000 Euro. Der Industrieminister nennt unter anderem einen Auto-Stellplatz im burgundischen Dijon und einen Sessel des Designers Charles Eames sein eigen.

Madame Duflot? Sie liegt mit 235.000 Euro Vermögen im Bereich einer französischen Durchschnittsfamilie. Ihr Fuhrpark wird keinen Neid erregen. Die Grünen-Politikerin nennt einen Renault Twingo aus dem Jahr 1999 (1300 Euro) und einen R4 aus dem Jahr 2000 (400 Euro). Besonders genau nimmt es Justizministerin Christiane Taubira. Sie führt ein Girokonto mit einem Negativsaldo von 173 Euro und ihr 17 Jahre altes Fahrrad (200 Euro) an.

Für was man das alles zu wissen braucht? Das müsste man François Hollande fragen. Der Präsident hat die Veröffentlichung angeordnet, die im diskreten Frankreich einer Offenbarungs-Orgie gleicht. Der Präsident möchte so einen "Moralisierungs-Schock" auslösen und politisch aus der Defensive kommen. Darin steckt er spätestens seit Mitte März, als Budgetminister Jérôme Cahuzac wegen verschwiegener Auslandskonten und monatelanger Lügereien zurücktrat. Der Fall verbitterte viele Menschen im wirtschaftlich darbenden Frankreich. Mit der Offenlegung der Vermögen möchte die Regierung wieder Kredit bei den Wählern gewinnen.

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