Justiz:Sauerland-Gruppe und Kofferbomber

Seit September 2014: Vor dem Düsseldorfer Oberlandesgericht läuft der Prozess gegen den 28-jährigen Marco G. und drei weiteren Angeklagte. Die vier Männer sollen einer radikal-islamischen Terrorgruppe angehören und im März 2013 einen Bombenanschlag auf den Bonner Hauptbahnhof und den Mord an einem rechtsradikalen Politiker in Leverkusen geplant haben. Der Prozess wird noch bis mindestens Ende April 2016 gehen, bis zu diesem Zeitpunkt hat das Gericht neue Verhandlungstage angesetzt.

Februar 2012: Arid Uka wird wegen Mordes vom Oberlandesgericht Frankfurt zu lebenslanger Haft verurteilt. Im März 2011 hatte er am Frankfurter Flughafen zwei US-Soldaten erschossen und zwei weitere schwer verletzt. Es war der erste Terroranschlag mit islamistischem Hintergrund in Deutschland, der nicht verhindert werden konnte. Der Kosovo-Albaner soll Verbindungen in die salafistische Szene in Deutschland gehabt haben.

März 2010: Vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf ergeht das Urteil gegen drei Mitglieder der sogenannten Sauerland-Gruppe. Sie waren wegen Mitgliedschaft in einer ausländischen terroristischen Vereinigung, Planung eines Sprengstoffanschlags und Verabredung zum Mord angeklagt. Die zwei Hauptangeklagten wurden zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt. Die Sauerland-Gruppe gilt als deutsche Zelle der Islamistischen Dschihad-Union, die im Grenzgebiet von Pakistan und Afghanistan agiert.

Dezember 2008: Der als "Kofferbomber von Köln" bekannt gewordene Youssef E. H. wird vom Oberlandesgericht Köln zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt. Das Gericht befand den damals 24 Jahre alten Libanesen des versuchten Mordes an einer unbestimmten Zahl von Menschen in Tateinheit mit dem Versuch, eine Sprengstoffexplosion herbeizuführen, für schuldig. Sein Komplize wurde im Libanon zu zwölf Jahren Haft verurteilt. Die beiden hatten im Juli 2006 auf dem Kölner Hauptbahnhof zwei Kofferbomben in Regionalzügen nach Hamm und Koblenz deponiert, die aber nicht explodierten.

2003 bis 2006: Nach mehreren Prozessen wird 2006 endgültig das Urteil gegen den in Deutschland lebenden Marokkaner Mounir el-Motassadeq vom Bundesgerichtshof bestätigt. Er wird wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung und Beihilfe zum Mord in 246 Fällen zu einer lebenslangen Gefängnisstrafe verurteilt. Es gilt als erwiesen, dass Motassadeq in die Pläne zu den Terroranschlägen vom 11. September 2001 eingeweiht war und den Attentätern um Mohammed Atta half. Die 246 Mordfälle ergeben sich aus der Zahl der Passagiere und Besatzungsmitglieder, die an Bord der Flugzeuge waren, die in den USA von den Terroristen ins World Trade Center und das Pentagon gesteuert sowie zum Absturz gebracht wurden.

Februar 2004: Nach einem mehrmonatigen Prozess wird der Marrokaner Abdelghani Mzoudi vom Vorwurf der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung und der Beihilfe zum Mord freigesprochen. Man konnte Mzoudi die Beteiligung an den Terroranschlägen vom 11. September 2001 nicht nachweisen. Mzoudi war mit dem verurteilten Motassadeq gut befreundet.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB