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Studie zu Umweltbewusstsein:Die Jugend zieht es in die Natur

Abstand halten. Zwei Schuelerinnen sitzen im Abstand in Zeiten von Corona in einer bluehenden Wiese. Bonn Deutschland **

Entspannen mit Abstand: Zwei Schülerinnen sitzen auf einer Wiese in Bonn.

(Foto: Ute Grabowsky/imago)

Junge Menschen nutzen die Natur in der Pandemie häufiger zum Stressabbau und zur Ablenkung. Laut einer Studie des Bundesumweltministeriums fordert eine große Mehrheit der Jugendlichen wirksamen Umwelt- und Klimaschutz.

Von Thomas Hummel

Die Corona-Pandemie hat das Leben von Jugendlichen und jungen Erwachsenen gründlich verändert. Schule und Studium finden zu Hause statt, der Berufseinstieg fällt bisweilen schwer, Sportvereine und Jugendtreffs sind geschlossen, Partys und Feste abgesagt. Diese Einschränkungen und Verbote führen nun dazu, dass junge Menschen ihre Umwelt besser kennenlernen. Einer Studie im Auftrag des Bundesumweltministeriums und des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) zufolge hält sich mehr als die Hälfte der 14- bis 24-Jährigen häufiger draußen auf als vor der Pandemie. 20 Prozent sogar viel häufiger.

Es ist die erste Umfrage der Behörden zum Naturbewusstsein der jungen Generation. Bislang wurden lediglich Erwachsene dazu befragt. Doch nachdem Jugendstudien zuletzt feststellten, dass Klimawandel, Natur- und Umweltschutz zu den wichtigsten Themen gehören und zudem in den Jahren 2018 und 2019 die Fridays-for-Future-Bewegung immer größer wurde, lag die Erstauflage der Studie "Jugend-Naturbewusstsein" wohl nahe. Und weil nach Ansicht der Autoren derzeit keine Gesellschaftsbetrachtung ohne Fragen zur Corona-Krise auskommt, erweiterten sie im Herbst 2020 ihre Untersuchung um diesen Punkt.

Dabei gaben die meisten jungen Menschen an, Natur spiele bei ihnen nun häufiger eine wichtige Rolle beim Stressabbau oder zur Ablenkung, danach folgten die Aspekte "Sport und Bewegung". Etwas mehr als die Hälfte gab an, die Bedeutung der Umwelt sei für sie während der Pandemie gestiegen. Die Umweltbehörden regen deshalb an, dass Verantwortliche in Kommunen und Landkreisen eine "zufriedenstellende Grünversorgung" der Bevölkerung sicherstellen müssten. Denn weil die Natur prinzipiell jedem und jeder offenstehe, könne sie gerade auch in Krisenzeiten wichtige Aufgaben für die körperliche und mentale Gesundheit nicht nur für junge Menschen übernehmen.

Für die weiteren Teile der repräsentativen Umfrage hatte sich das beauftragte Marktforschungsinstitut Sinus im Frühsommer 2020 nur an Jugendliche zwischen 14 und 17 Jahren gewandt. Dabei zeigte sich, dass diese Altersgruppe ähnlich wie Erwachsene "Empörung über einen sorglosen Umgang mit der Natur" verspürte. So gaben 92 Prozent an, dass Natur für sie zu einem guten Leben dazugehöre. Für Biologielehrer erfreulich ist die Erkenntnis, dass eine Mehrheit der Jugendlichen gerne mehr Tier- und Pflanzenarten namentlich kennen würde.

Ein Drittel hat bereits für Umwelt- und Klimaschutz demonstriert

Fast zwei Drittel finden, dass Umweltschutz "voll und ganz eine Pflicht des Menschen" sei und neun von zehn Jugendlichen seien darüber verärgert, dass so viele Menschen sorglos mit der Natur umgingen. Dagegen halten nur 19 Prozent der Befragten die wirtschaftliche Entwicklung für wichtiger als den Schutz von Umwelt und Klima. Bei allen Antworten zeigte sich, dass Mädchen einen stärkeren Bezug zur Natur haben als Jungen.

Ein Drittel der Befragten hatte bereits an einer Demonstration wie etwa Fridays for Future teilgenommen. Und die Mehrheit derjenigen, die noch nicht dabei waren, kann sich das für die Zukunft vorstellen. Denn die Jugendlichen glauben weniger daran, alleine etwas "zum Schutz der Erde" beitragen zu können. Auch wenn viele einen eigenen Beitrag leisten wollen, etwa in dem sie auf Einwegplastik oder Fleischkonsum verzichten. 84 Prozent der Befragten meinten aber, dass die Menschheit nur gemeinsam etwas bewirken könne. In erster Linie sieht die junge Generation hier die Politik in der Pflicht, notwendige Maßnahmen zu ergreifen.

Beate Jessel, Präsidentin des Bundesamts für Naturschutz, sagte in einer Pressekonferenz: "Es zeigt sich, dass mit den Jugendlichen eine verantwortungsbewusste und engagierte Generation heranreift. In der Jugend von heute steckt großes Potenzial."

© SZ/mcs
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