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Jugendproteste in Europa:Frankreich: Ungleicher Kampf

Geplant war nicht weniger als eine "Weltrevolution". Ende Mai versammelten sich Tausende junge Franzosen auf der Place de la Bastille in Paris. Nach spanischem Vorbild demonstrierten sie gegen Korruption, Prekarität und die Arbeitslosigkeit, die auch in Frankreich immer mehr Jugendliche trifft. Manch einer träumte laut davon, den Platz dauerhaft zu besetzen und die Wut des Volkes - wieder einmal - von dort in die Welt zu tragen: Vor 222 Jahren hatten wütende Bürger das am selben Platz stehende Gefängnis Bastille gestürmt und damit die Französische Revolution begonnen.

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Hier hat schon einmal eine Revolution begonnen: Französische Demonstranten auf der Place de la Bastille in Paris.

(Foto: AFP)

Aus Frankreich stammt nicht nur das historische Vorbild einer geglückten - und sehr blutrünstigen - Revolution, sondern auch das Buch, das den "Empörten" Namen und Rückenwind gegeben hat. In seiner im Oktober 2010 veröffentlichten Schrift "Indignez-vous" ("Empört Euch") rief der 93-jährige Stéphane Hessel die Bürger seines Landes zu Engagement und zivilem Ungehorsam auf. Das Buch verkaufte sich mehr als eine Million Mal.

Trotzdem scheint die Hoffnung auf eine breite Bewegung in Frankreich vergebens zu sein. Die Polizei in Paris griff härter durch als in Madrid und räumte den Platz jeden Abend. Die Demonstranten kamen zwar wieder, doch nach der großen Protestwelle am letzten Maiwochenende wurden es schnell immer weniger. Zuletzt beschränkten sich die Aktionen auf Flashmobs, zu denen etwa 150 "Empörte" kamen. Sie verteilten Flugblätter und wiesen auf die "Unbeweglichkeit" der Regierung hin, indem sie sich für ein paar Minuten vor dem Pariser Kulturzentrum Centre Pompidou auf den Boden legten.

Dass die Jugend der Wut über ihre Chancenlosigkeit Ausdruck verleiht, ist in Frankreich nichts Neues: Dann gehen in den Banlieues, den heruntergekommenen Vororten französischer Großstädte, Autos in Flammen auf und marodierende Banden liefern sich Straßenschlachten mit der Polizei. Die dort lebenden Nachkommen nordafrikanischer Einwanderer haben von vornherein sehr geringe Chancen auf einen guten Job. Die Uni-Absolventen von der Place de la Bastille, die nun keine Anstellung finden, kämpfen einen anderen Kampf. Einen Schulterschluss zwischen beiden Gruppen gibt es bisher nicht.

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