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Jugendmedien:Gefahren für junge User

Neun von zehn Deutschen wünschen sich mehr Schutz für Kinder und Jugendliche im Netz. Strengere Regeln für Anbieter von Spielen, Filmen und Messengern sollen Mobbing, Belästigung und Abzocke erschweren.

Von Sz, Berlin

Ein Großteil der Menschen in Deutschland spricht sich für schärfere Regeln zum Schutz von Kindern und Jugendlichen im Netz aus. 90 Prozent sind dafür, dass die bekannten Alterseinstufungen für Filme und Spiele auch im Internet gelten sollten. Das ergab eine am Mittwoch veröffentlichte, repräsentative Umfrage zum Kinder- und Jugendmedienschutz im Auftrag des Deutschen Kinderhilfswerks.

88 Prozent der Befragten möchten, dass alle Betreiber von Internetseiten ausnahmslos dazu verpflichtet werden, strenge Schutzeinstellungen für Kinder und Jugendliche einzurichten. Eine große Mehrheit (84 Prozent) befürwortet zudem einfache Beschwerdemöglichkeiten für Minderjährige, damit sie unzulässige oder zweifelhafte Online-Inhalte melden können.

"Die Ergebnisse spiegeln die ganz konkreten Bedürfnisse und Überzeugungen der Menschen in Bezug auf ein modernes Jugendmedienschutzsystem in Deutschland wider", sagte Thomas Krüger, Präsident des Deutschen Kinderhilfswerkes. Es sei nun an der Zeit, dass das Jugendschutzgesetz den tatsächlichen Mediennutzungsgewohnheiten von Kindern und Jugendlichen angepasst werde. "Die Verantwortung für den Schutz und die Rechte von Kindern und Jugendlichen darf nicht den Eltern allein zugeschoben werden", so Krüger .

Der Kinder- und Jugendmedienschutz wird in Deutschland durch verschiedene Gesetze geregelt. Das Bundeskabinett beschloss im vergangenen Oktober eine Reform des Jugendschutzgesetzes. Der Gesetzentwurf von Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) beinhaltet Auflagen für große Plattformen wie Facebook, Instagram, Youtube und Spiele-Portale sowie für Messenger-Dienste wie WhatsApp. Kinder und Jugendliche sollen dadurch bei ihren Internetaktivitäten besser vor Belästigungen, Mobbing und Abzocke geschützt werden.

Vorgeschrieben werden sollen etwa einfache Meldemöglichkeiten, wenn junge Nutzer sich bedroht oder bedrängt fühlen. Alterskennzeichen für Online-Inhalte sollen künftig einheitlich sein und nicht nur berücksichtigen, ob ein Spiel etwa besonders viel Gewalt enthält, sondern auch, ob Risiken bei der Interaktion bestehen. Das Gesetz sieht als letzte Konsequenz hohe Bußgelder für die Anbieter vor. Die Rundfunkkommission der Länder und der Bundesrat kritisieren den Entwurf etwa für Rechtsunsicherheiten, sie fordern Nachbesserungen.

© SZ/dpa/epd/skle
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