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Jugendarbeitslosigkeit:Geld ist da, der Wille nicht

In vielen EU-Staaten mangelt es an einer sinnvollen Ausbildung.

Von Alexander Mühlauer

Man kennt die Worte, man hört sie ja immer wieder. Wenn es darum geht, die Sorge um die Jugend Europas auszudrücken, reden Politiker oft von einer "verlorenen Generation", von der "europäischen Katastrophe" oder gar von einem "29. EU-Staat" aus jungen Arbeitslosen. Doch all die großen Worte und die Jobgipfel haben nicht viel geändert. Noch immer sind in der EU mehr als vier Millionen Menschen unter 25 Jahren ohne Arbeit, vor allem in Südeuropa. Ja, das ist eine Tragödie. Aber man kann den Politikern in Europa nicht vorwerfen, dass sie nur reden würden. Sie tun auch etwas. Am Geld liegt es jedenfalls nicht. Was jedoch vielerorts fehlt, ist der Wille.

Besonders in den von der Schuldenkrise geplagten Staaten gibt es ein Problem: Selbst wenn sich einige von ihnen beim Musterland Deutschland etwas abschauen, fehlt oft die duale Ausbildung mit Berufsschule und Arbeit in der Firma. Was die jungen Menschen im Studium lernen, wird im Betrieb oft nicht gebraucht. Eine leidvolle Erfahrung, die besonders Südeuropäer machen. Viele Arbeitgeber haben außerdem noch nicht verstanden, warum sie überhaupt ausbilden sollten.

Kein Wunder also, dass einige der vielen Milliarden, die Europa im Kampf gegen Jugendarbeitslosigkeit bereithält, noch gar nicht abgerufen wurden. Schon wahr, Arbeitsmarktreformen dauern lange - für Millionen junger Menschen in Europa viel zu lange.

© SZ vom 01.09.2016

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