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Jugendarbeitslosigkeit:Es fehlt der Wille, nicht das Geld

In den europäischen Krisenstaaten ist jeder vierte junge Mensch arbeitslos. Auch deshalb erleben linksgerichtete Parteien nun einen Aufschwung. Doch ihre Rezepte helfen der verlorenen Generation nicht weiter.

Von Marc Beise

Es sind trostlose Zahlen: Fast 40 Millionen junge Menschen sind in den Industriestaaten arbeitslos, so gab es die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) jetzt für 2013 bekannt. Das ist im Schnitt eine Arbeitslosenquote von 15 Prozent. In einigen europäischen Ländern ist die Situation dramatischer: In Spanien, Griechenland, Italien sind bis zu einem Viertel der jungen Menschen betroffen. Da gibt es nichts zu beschönigen, das Drama einer verlorenen Generation zeichnet sich ab.

Wer aber in früheren Jahren Motivation und Perspektive verliert, wird sich davon womöglich nie wieder erholen, es verändert ganze Gesellschaften. Das wissen auch die europäischen Staats- und Regierungschefs, und sie beklagen es regelmäßig. Die Frage ist aber, was zu tun ist. Für jene, die die Euro-Rettungspolitik von links kritisieren, ist die Sache klar: Weil auf namentlichen deutschen Druck die Südstaaten in eine Kaputtsparpolitik gezwungen werden, bricht auf der iberischen Halbinsel, in Italien, Griechenland und anderen Staaten das Wachstum zusammen, und vor allem junge Menschen verlieren ihre Zukunft. So sieht das in Deutschland zwar nur eine Minderheit, in den betroffenen Staaten aber klar die Mehrheit, und sie trägt ihre Wut und Enttäuschung auf die Straße und auch in die Wahlkabinen. Nur leider stimmt diese Analyse nicht - was man schon daran erkennt, dass auch vor der Finanz- und der Schuldenkrise die Zahl der Jugendarbeitslosen gefährlich hoch war.

Es ist richtig, dass seitdem noch einmal fünf Millionen Arbeitslose dazugekommen sind, und natürlich bietet eine schrumpfende Volkswirtschaft weniger Jobs an als eine prosperierende. Zentral verantwortlich für die Misere sind aber nicht die mit Reformauflagen versehenen Rettungsprogramme, sondern tiefer liegende wirtschaftspolitische Fehler. Man muss sie klar benennen: Ein starres Arbeitssystem mit hohem Kündigungsschutz hält die Alten im Job und lässt die Jungen nicht rein, Mindestlöhne verschärfen die Lage. In Deutschland wird die Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns gerne damit begründet, dass viele europäische Länder dieses Instrument bereits haben. Das stimmt ja auch, aber genau das wird den Jugendlichen dort zum Verhängnis; dieser Zusammenhang lässt sich, auch wenn das den Gerechtigkeitsaposteln nicht gefällt, gut belegen. Zu Recht regt die OECD deshalb an, im Interesse der Jugendlichen über Mindestlöhne und andere Restriktionen nachzudenken.

Ein duales Ausbildungssystem könnte eine Lösung sein

Noch offensichtlicher ist die Misere der Ausbildungssysteme in vielen Staaten: Die Schulbildung ist ebenso mangelhaft wie die Berufsausbildung, und die Abläufe im System stimmen nicht. In Spanien etwa gibt es in bestimmten Branchen einen massiven Bedarf an Arbeitnehmern, aber Angebot und Nachfrage finden nicht zueinander. In Griechenland verhindert - bei allen sonstigen Problemen - die staatliche Misswirtschaft wirksame Maßnahmen gegen die Massenarbeitslosigkeit.

Das von Experten weltweit gerühmte duale Ausbildungssystem zwischen Berufsschule und Betrieb in Deutschland könnte ein Schlüssel für die Lösung der Problemländer sein. Freilich müssen die Staaten dann erkennen, dass ihr Problem hausgemacht ist und dass sie Hilfe aus dem besser organisierten Norden brauchen. Hilfe beim Aufbau besserer Strukturen wohlgemerkt, weniger Hilfe in Form von unkonditioniert zugewiesenem Geld.

Die Finanzmittel sind ja sogar da, rund zehn Milliarden Euro wurden auf europäischer Ebene bereitgestellt, unbürokratisch abrufbar - und dennoch nicht nachgefragt. Das allein zeigt schon den ganzen Irrsinn von Systemen, deren Opfer die jungen Menschen sind.

© SZ vom 28.05.2015

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