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Jugend:No future

Europas vergessene Tragödie: die Jugend ohne Arbeit.

Von Thomas Öchsner

In all dem Flüchtlingselend in Europa ist das Thema etwas untergegangen. Aber es gibt sie immer noch, die andere Tragödie Europas: Millionen junge Menschen suchen, von Lissabon über Paris bis Athen, vergeblich eine Stelle. Nun will eine Initiative deutscher Unternehmen helfen. Das ist, wenn auch nicht uneigennützig, eine feine Sache, allein schon, weil jemand an das Schicksal dieser Jugendlichen erinnert. Doch viel helfen wird das auch nicht.

"InCharge" nennt sich die neue Initiative. Die Manager fühlen sich also verantwortlich für das, was in Europa passiert, und erfüllen damit gute Staatsbürgerpflichten. Sie werden aber kaum mehr als ein paar Tausend jungen Menschen eine berufliche Perspektive geben können. Unternehmen können nun mal nicht über ihren eigenen Bedarf Jobs schaffen.

Die Grundprobleme bestehen in Europas Krisenländern weiter: Wenn auch einige sich von den Musterstaaten Deutschland und Österreich etwas abschauen, gibt es vielfach keine duale Ausbildung mit Berufsschule und Arbeit in der Firma. Was die jungen Menschen im Studium lernen, wird im Betrieb oft nicht gebraucht. Viele Arbeitgeber haben noch gar nicht verstanden, warum sie ausbilden sollen. Auch deshalb ist ein Großteil der Milliarden, die die EU im Kampf gegen Jugendarbeitslosigkeit bereithält, noch nicht abgerufen. Reformen dauern lange, für viele junge Arbeitslose zu lange.

© SZ vom 22.07.2015
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