Jugend in Indonesien Als Obama noch Soetoro hieß

"Ach hören Sie, was soll denn das? Er war sechs Jahre alt, wir haben am Morgen das Vaterunser gebetet und uns bekreuzigt", sagt Obamas erste Lehrerin, Israella Darmawan, eine stolze Frau von 64 Jahren. Sie steht nun plötzlich im Rampenlicht und war schon in einer Talkshow des indonesischen Fernsehens. Als "Lehrerin Obamas" und Stargast. Die Indonesier lieben diese Saga um "unseren Barry": vom Schulhof im Süden Jakartas ins Weiße Haus in Washington. Für die meisten ist er ein Held. Sein Kopf war schon auf den Titelseiten aller Nachrichtenmagazine. In einem launigen Kommentar schrieb die Jakarta Post unlängst, angesichts des bescheidenen politischen Personals könne Indonesien nur hoffen, Obama verliere die US-Präsidentschaftswahl und trete dann 2009 bei der indonesischen an.

Mit Heiligenschein

Die Lehrerin kennt schöne Anekdoten, einige hat sie auf zwei Blättern aufgeschrieben, für die Medien, und mit ihrem Namen unterzeichnet. Es sind so schöne Anekdoten, dass sie geschönt wirken. "Er war der Größte der Klasse", sagt Israella Darmawan, "und er half mir immer beim Wandtafelputzen. Ich musste nicht einmal fragen." Natürlich war er höflich, fröhlich, gelehrig, etwas ungestüm zuweilen, charismatisch, ein geborener Anführer. Und einmal, als sie die Schüler bat, sie mögen ihre Zukunftswünsche aufschreiben, da notierte Barry: "Saya mau menjadi Presiden kalau sudah besar" - "Wenn ich groß bin, möchte ich Präsident werden." Sie ist ganz sicher, dass sie sich richtig erinnert.

Zwei Jahre war er an der Asisi. Dann wechselte er an die Besuki, eine Schule in Menteng, einem schönen, grünen Viertel im Zentrum Jakartas. Der Stiefvater hatte einen Job bei einer amerikanischen Ölfirma angenommen. Man konnte sich nun ein großes Haus leisten, 300 Quadratmeter. Und die Mutter hatte es nicht mehr so weit zur US-Botschaft, wo sie Geschäftsleuten Englischunterricht erteilte. "Es ist vieles anders geworden hier", sagt Rully Dassad. Er steht vor dem Zimmer IV, ihrem Zimmer, dem Schulzimmer von Mister Obama und Rully Dassad. Auf dem Dach der Schule thront gleißend die goldene Kuppel einer Massolah, eines muslimischen Gebetsraums. "Die Massolah gab es zu unserer Zeit noch nicht", sagt Rully. Und zu ihrer Zeit hätten auch nicht so viele Mädchen ein Kopftuch getragen wie jetzt. Er schüttelt energisch den Kopf, nein, so war das damals nicht.

Rully ist auf einer Mission. Er kämpft gegen den Schlamm, den man nach seinem Freund aus der Kindheit wirft und den er gerne mal wieder sähe, irgendwann, als Präsident dann. Er betet, er hofft, er kämpft gegen diese Verleumdungen im Internet, gegen diese Ungeheuerlichkeit, Besuki sei eine Madrassa. Alle paar Wochen treffen sich die früheren Schulkameraden Barrys. Sie haben ein Unterstützungskomitee gegründet und beraten. Eine ist Parlamentarierin, einer Geschäftsmann, ein weiterer Journalist. Und Rully ist Werbefotograf. Er gibt den Koordinator der Gruppe. Er hat eine Hochglanzbroschüre gestaltet, mit hartem Umschlag - fast ein Buch. Auf dem Titel ein Bild der Schule, davor versammelt die Klasse von damals, ein Titel "Good luck Barry!", ein Slogan "Unterstützung, Respekt, Solidarität".

Und auf Seite 4 erscheint der markante Kopf Barack Obamas, des erwachsenen Barack Obama. Rully hat das Bild seines Freundes weiß eingekreist - mit Schimmereffekt. Es sieht aus, als wäre es ein Heiligenschein. So ist es auch gedacht.