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Jüdischer Terrorismus:Die Regierung ist Teil des Problems

Aber all dies könnte als Aktionismus verpuffen, wenn sich der Kampf nur gegen die Symptome richtet und nicht gegen die Ursachen. Letzteres jedoch ist viel schwieriger zu bewerkstelligen, und es ist ungewiss, ob die nun so demonstrativ tatkräftige Regierung dazu in der Lage ist.

Fraglich ist auch, ob sie dazu willens ist. Denn die Umtriebe dieser Minderheit sind die extremen Auswüchse eines aus fast 50-jähriger Besatzung erwachsenen gesellschaftlichen Klimas, in dem immer wieder das Recht gebeugt, gebrochen oder als Recht des Stärkeren definiert wird. Und in diesem System ist die gegenwärtige rechts-religiöse Regierung durchaus ein Teil des Problems.

Präsident Rivlin hat die richtigen Worte gefunden

Die Besatzung hat parallel zu Israels Demokratie ein Schattenreich entstehen lassen, in dem andere Normen gelten und in dem es Menschen erster und zweiter Klasse gibt. In diesem Schattenreich ist die Gewalt jüdischer Extremisten gegen Palästinenser in den vergangenen Jahren unter dem Schlagwort "Preisschild-Aktion" zu einem verbreiteten Phänomen geworden.

Die perfide Idee: Jedes Mal, wenn die Siedler irgendwo in die Schranken gewiesen werden, sollen Palästinenser dafür büßen und einen Preis bezahlen. Autoreifen werden durchstochen, Olivenhaine abgeholzt, Moscheen angezündet. Geahndet wurden solche Taten bislang in den seltensten Fällen, und in manchen wirren Köpfen dürfte sich dadurch festgesetzt haben, das Westjordanland sei eine Art rechtsfreier Raum, jedenfalls beim Umgang mit den Palästinensern.

Nach dem mörderischen Anschlag von Duma fällt nun ein grelles Licht auf dieses Schattenreich. Präsident Reuven Rivlin hat dazu die richtigen Worte gefunden, als er bekannte, der Staat habe die Extremisten in den eigenen Reihen "zu lange nicht ernst genommen". Er hat das verknüpft mit einem Aufruf zu mehr Toleranz und Miteinander von Juden und Palästinensern.

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Es ist geplant als lockeres Sommerfest am Pariser Stadtstrand, doch plötzlich fordern Zehntausende Menschen den Boykott der Veranstaltung "Tel Aviv an der Seine". Das Motto stößt vielen bitter auf.   Von Felix Hütten, Paris

Das ist gut gemeint, doch die Reaktion darauf sollte der israelischen Gesellschaft als weiterer Weckruf dienen: Rivlin wurde sogar aus den Reihen der eigenen Likud-Partei als Verräter geschmäht, und er bekam Morddrohungen, die von Israels Inlandsgeheimdienst Schin Bet sehr ernst genommen werden. Schließlich war wegen seiner Friedenspolitik auch schon Premierminister Jitzchak Rabin von einem jüdischen Extremisten ermordet worden. Im Herbst jährt sich das zum 20. Mal - und im Sommer davor ist klar geworden, welche Gefahren in Israel heute im Innern heranwuchern.