Judenvernichtung im Zweiten Weltkrieg Teilermittlungen gegen SS-Wächterin eingestellt

Lachende, in Auschwitz eingesetzte SS-Leute während ihrer Freizeit in Solahütte nahe des Konzentrationslagers. Die Aufnahme entstand 1944.

(Foto: ASSOCIATED PRESS)
  • Hamburger Staatsanwaltschaft stellt einen Teil des Verfahrens gegen eine mutmaßliche NS-Kriegsverbrecherin ein.
  • Die 93 Jahre alte Frau war für SS-Dienste im KZ Auschwitz bereits bestraft worden. Doch die Ermittler gehen Verdacht nach, dass sie im KZ Majdanek in Verbrechen verwickelt war.
  • Weitere Ermittlungen wegen Massaker in der Toskana

Staatsanwaltschaft ermittelt gegen SS-Frau nur noch wegen Majdanek

Der Verdacht wiegt schwer, doch der juristische Grundsatz zählt: Weil niemand für die gleiche Tat zwei Mal bestraft werden dürfe, hat die Staatsanwaltschaft Hamburg die Ermittlungen gegen eine heute 93-Jährige eingestellt. "Die Frau war SS-Wächterin", sagte Behördensprecherin Nana Frombach zu SZ.de.

Doch ein britisches Militärgericht habe sie bereits ein Jahr nach Kriegsende zu sieben Jahren Haft verurteilt, weil sie Mitglied der SS-Wachmannschaft im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau war.

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Doch die Ermittlungseinstellung betrifft nur einen Teil, in einem anderen Punkt forscht die Anklagebehörde weiter. Sie prüft den Verdacht der Beihilfe zum Mord wegen ihrer Tätigkeit als Mitglied der SS-Wachmannschaft im Konzentrationslager Majdanek.

Zumindest vorübergehend soll das KZ im heutigen Polen den Charakter eines Vernichtungslagers gehabt haben. Mehr als 70000 Menschen - meist Juden - sollen dort ermordet oder durch Unterversorgung und Krankheiten umgekommen sein.

Die mutmaßliche NS-Verbrecherin könnte dort bei der systematischen Menschenvernichtung geholfen haben - so die Vermutung. Die Staatsanwaltschaft Hamburg müsse nun die genaue Tatbeteiligung der Frau und auch ihren derzeitigen Gesundheitszustand prüfen, sagte Frombach. Die ehemalige SS-Frau werde durch einen Anwalt vertreten. Angestoßen seien die Ermittlungen durch entsprechende Hinweise der Zentrale Stelle der Landesjustizverwaltungen zur Aufklärung nationalsozialistischer Verbrechen in Ludwigsburg.

Ermittlungen wegen Massaker in der Toskana

Auch die Ermittlungen der Hamburger Staatsanwaltschaft gegen einen mutmaßlichen Kriegsverbrecher, der 1944 an einem NS-Massaker in der Toskana beteiligt gewesen sein soll, laufen weiter. Die Waffen-SS hatte damals in dem italienischen Bergdorf Sant'Anna di Stazzema 560 Menschen erschossen oder mit Handgranaten umgebracht.

Der Mann, der heute in Hamburg lebt, soll damals Kompanieführer gewesen sein. In Italien war er bereits in Abwesenheit zu lebenslanger Haft wegen vielfachen Mordes verurteilt worden.

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