Juden in Deutschland Antisemitismus unter Muslimen in Deutschland

Nachdem in Nahen Osten 2000 die zweite Intifada begonnen hatte, kam es dem Expertenkreis Antisemitismus zufolge zu "der juden- und israelfeindlichen Welle von 2002, in der erstmals junge Muslime als Tätergruppe in einigen europäischen Ländern hervortraten". Damit, so die Fachleute, sei "eine weitere Entwicklung in den Mittelpunkt des Interesses gerückt, nämlich der Antisemitismus unter Migrantinnen und Migranten aus muslimisch geprägten Ländern".

Dieser Antisemitismus wurde lange Zeit nicht gut untersucht. Inzwischen haben Umfragen und Untersuchungen deutscher Forschungseinrichtungen, aber auch des Pew Research Center und der Anti-Defamation League in den USA immer wieder gezeigt, dass in Deutschland der Anteil derjenigen, die Juden ablehnen, unter Muslimen größer ist als unter Nichtmuslimen.

Demonstranten verbrennen in Berlin im Dezember 2017 eine Fahne mit Davidstern. Zu der Gefahr, die für Juden von Rechtsextremen ausgeht, kommt seit einigen Jahren eine Bedrohung durch Antisemitismus unter Muslimen.

(Foto: Jüdisches Forum für Demokratie und gegen Antisemitismus e.V./dpa)

Eine erste, gewissermaßen einleitende Studie nahmen Wissenschaftler der Technischen Universität Berlin bereits 2002 für den European Monitoring Centre on Racisms and Xenophobia (EUMC) vor. Damals stellten die Fachleute fest: "Physische Angriffe auf Juden und die Schändung und Zerstörung von Synagogen waren Handlungen, die im Beobachtungszeitraum vor allem von jungen muslimischen Tätern, meist arabischer Abstammung, verübt wurden. Viele der Angriffe fanden während oder nach Pro-Palästinensischen Demonstrationen statt."

2009 interviewten Experten mehrerer Universitäten etwa 900 Muslime und Nichtmuslime in Deutschland im Alter zwischen 14 und 32 Jahren. Äußern sollten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu den Fragen, ob Israel "allein schuldig" sei am Konflikt im Nahen Osten und ob es besser wäre, wenn die Juden den Nahen Osten verlassen würden. Bei deutschen und nichtdeutschen Muslimen stimmten 25 Prozent zu.

In der Umfrage der Anti-Defamation-League 2015 zeigten immerhin 14 Prozent der Christen in Deutschland antisemitische Neigungen, unter Atheisten waren es 20 Prozent. Bei Muslimen war der Anteil den Wissenschaftlern zufolge allerdings 56 Prozent.

Wissenschaftler der Universität Münster befragten im Jahre 2016 türkeistämmige Erwachsenen in Deutschland: 21 Prozent hatten eine negative oder sehr negative Haltung Juden gegenüber. 30 Prozent hielten sich mit "weiß nicht" bedeckt, wobei die Studienautoren für diese Gruppe "eine zumindest latente Abwehrhaltung" annahmen.

Mehrere Umfragen unter Flüchtlingen deuten in eine ähnliche Richtung. Wissenschaftler der Universität Regensburg zum Beispiel interviewten 2017 etwa 750 Flüchtlinge aus Syrien, Eritrea, Afghanistan und dem Irak: "Über die Hälfte der muslimischen Befragten", so ihr Fazit, "weist deutliche Tendenzen zu antisemitischen Einstellungsmustern auf".