Jubel über UN-Antrag von Abbas:Abbas wandelt auf einem schmalen Grat

Und als er zum Schluss kommt, zum großen Finale mit dem pathetischen Appell an die Welt, den palästinensischen Staat als Vollmitglied aufzunehmen, da wird der Arafat-Platz in Ramallah zum Abbas-Platz. "Allahu Akbar", Gott ist groß, ruft die Menge in Sprechchören, aber auch der Name des Präsidenten wird skandiert. Mahmud Abbas, der oft Gescholtene, der 76 Jahre alt ist und meist frustriert, ist der Held dieses Tages.

Für ihn ist es schon ein Sieg, dass er nicht eingeknickt ist", sagt der Bürgerrechtler Mustafa Barghouti. Bei der letzten Präsidentschaftswahl 2005 hatte er gegen Abbas verloren, nun hat auch er sich eingefunden auf dem Arafat-Platz am Tag der großen Rede. Für ihn hat "Israel diesen Kampf verloren", egal was am Ende in New York herauskommt. Denn die Weltbevölkerung sei sensibilisiert worden für das palästinensische Leiden unter der Besatzung und für den Freiheitskampf, und auch ein Veto aus Washington könne den Zug nun nicht mehr aufhalten. "Dann gehen wir eben immer wieder in den Sicherheitsrat", sagt Barghouti.

Doch bei allem Stolz auf den palästinensischen Aufbruch ist noch längst nicht jeder überzeugt vom Kurs des Präsidenten. "Das Volk traut dieser Führung nicht", sagt Bassam Abu Scharif, "denn sie will die Leute daran hindern, eine neue Intifada zu machen." Vom Kampf versteht er etwas, schon 1972 hatten ihm die Israelis eine Bombe nach Beirut geschickt, die ihm vier Finger wegriss, ihn blind machte auf einem Auge und taub auf einem Ohr. Später stieg er auf zum Berater Arafats, heute schimpft er auf dessen Nachfolger, die zwar demonstrieren lassen, aber jede direkte Konfrontation mit Israel vermeiden wollen. Er dagegen setzt auf die geballte Kraft des Volkes. "Eine Million Palästinenser müssten mit Ölzweigen marschieren und ihre Unabhängigkeit fordern", meint er, "dann würden sich bald die arabischen Massen den Palästinensern anschließen."

Abbas weiß, wie schmal der Grat ist, auf dem er wandelt. Er darf sein Volk nicht enttäuschen durch allzu viel Nachgiebigkeit, er darf es aber auch nicht aufstacheln durch allzu viel Härte. In New York ist er unbeirrt seinen Weg gegangen, er hat seinen Antrag eingereicht und seinen Auftrag erfüllt und kann nun zurückkehren in die Heimat - mit leeren Händen zwar, aber erhobenen Hauptes. Doch noch bevor er sich feiern lassen kann von seinem Volk, wird der Präsident der Palästinenser wieder hart auf dem Boden der Tatsachen landen.

Das Flugzeug bringt ihn nach Amman, und von der jordanischen Hauptstadt aus muss er mit dem Wagen weiterfahren nach Ramallah. Doch wenn er die Grenze zum Westjordanland übertritt auf der Allenby-Brücke, dann werden ihn dort israelische Soldaten kontrollieren. Danach sind es zwar nur knapp 40 Kilometer bis zu seinem Präsidentenpalast. Aber der Weg zu einem unabhängigen Palästina, der ist immer noch weit.

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