Hamburg Journalist Adil Yiğit darf in Deutschland bleiben

Adil Yiğit erhält eine neue Aufenthaltsgenehmigung aus humanitären Gründen.

(Foto: dpa)
  • Der türkische Journalist Adil Yiğit erhält eine neue Aufenthaltsgenehmigung aus humanitären Gründen.
  • Eine Ausweisung oder Abschiebung sei nicht geplant, bestätigte ein Sprecher der Ausländerbehörde der SZ.
  • Bei einer gemeinsamen Pressekonferenz des türkischen Präsidenten Erdoğan mit Kanzlerin Merkel hatte Yiğit mit einem T-Shirt protestiert.

Der türkische Journalist Adil Yiğit darf nach Angaben der Hamburger Ausländerbehörde in Deutschland bleiben. Der 60-Jährige erhalte eine neue Aufenthaltsgenehmigung aus humanitären Gründen, bestätigte ein Sprecher der Ausländerbehörde der SZ. Eine Ausweisung oder Abschiebung sei nicht geplant.

Yiğits Antrag auf eine Verlängerung seiner bisherigen Aufenthaltserlaubnis, sei aus formellen Gründen abgewiesen worden. Diese Ablehnung sei "standardmäßig" auch mit einer Ausreiseaufforderung verbunden. In dem Bescheid werde ihm aber "gleichzeitig schriftlich zugesichert", dass ihm "nach Eintritt der Bestandskraft eine andere Aufenthaltserlaubnis erteilt wird".

Die Hamburger Ausländerbehörde begründete die Entscheidung der angekündigten Abschiebung damit, dass Yiğit nicht mit seinen deutschen Kindern zusammenlebe und seit Jahren Arbeitslosengeld II beziehe. Die Beschäftigung als Journalist sei nicht hinreichend belegt. Damit würden die Gründe für seine bisherige Aufenthaltsberechtigung wegfallen, sagte ein Sprecher. Es sei Yiğit allerdings deutlich gemacht worden, dass er Deutschland nicht verlassen müsse. Damit sollten auch seine Integrationsbemühungen gewürdigt werden.

Ursprünglich hieß es, dass Deutschland den türkischen Regierungskritiker und Journalisten Ende Januar in die Türkei ausweisen wollte. Yiğit hatte die Entscheidung auf seine Protestaktion während einer Pressekonferenz des türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdoğan und Kanzlerin Angela Merkel im Kanzleramt Ende September zurückgeführt.

Damals trug der in Hamburg lebende Journalist ein weißes T-Shirt mit der Aufschrift "Gazetecilere Özgürlük - Freiheit für Journalisten in der Türkei". Sicherheitskräfte brachten ihn aus dem Saal. "Das hängt zusammen, anders kann es gar nicht sein", sagte Yiğit, der nach eigenen Angaben seit 36 Jahren in Deutschland lebt.

Die Ablehnung der Verlängerung der bisherigen Aufenthaltserlaubnis stehe in keinem Zusammenhang mit den politischen Ansichten oder Tätigkeiten Yiğits. Auch einen politischen Zusammenhang mit dessen Auftreten auf der Pressekonferenz mit Präsident Erdoğan gebe es nach Behördenangaben nicht.

Politik Türkei Türkei fordert Auslieferung von Journalist Dündar

Erdoğan-Besuch in Berlin

Türkei fordert Auslieferung von Journalist Dündar

Can Dündar, ehemaliger Chefredakteur der Zeitung "Cumhuriyet", lebt im Berliner Exil. Die Bundesregierung sieht in der türkischen Forderung eine "Provokation".   Von Markus Grill, Georg Mascolo und Reiko Pinkert