Jordanien und Israel:Solarstrom gegen Wasser

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Jordanien und Israel: Ein Wasserreservoir in Israel nahe der Grenze zu Jordanien.

Ein Wasserreservoir in Israel nahe der Grenze zu Jordanien.

(Foto: Menahem Kahana/AFP)

Jordanien liefert Solarstrom und bekommt im Gegenzug Trinkwasser aus Israel. Wie ein neues Kooperationsprojekt zwischen beiden Ländern und den Vereinigten Arabischen Emiraten zum Modell der Zukunft werden könnte.

Von Peter Münch und Thore Schröder, Tel Aviv/Manama

Es ist ein Vorhaben dreier Länder, das nur Gewinner kennt: In den Weiten der jordanischen Wüste soll mit Geld aus den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) ein Solarkraftwerk gebaut werden, das umweltfreundlichen Strom nach Israel liefert. Im Gegenzug versorgt Israel den jordanischen Nachbarn mit dringend benötigtem Wasser. Eine offizielle Absichtserklärung zu diesem aufsehenerregenden Modellprojekt der regionalen Kooperation im Zeichen des Klimaschutzes wurde am Montag von den zuständigen Ministern der drei Staaten in Dubai unterzeichnet. Das vor gut einem Jahr geschlossene Abraham-Abkommen, in dem Israel seine Beziehungen zu den VAE und drei weiteren arabischen Staaten normalisierte, erhält damit eine praktische und obendrein ausgeweitete Perspektive.

Jordanien und Israel haben bereits 1994 offiziell Frieden geschlossen, doch blieb dies stets ein kalter Frieden. Jordaniens Außenminister Ayman Safadi hatte am Wochenende bei einer Konferenz in Bahrain die Politik der im Sommer abgelösten Regierung von Benjamin Netanjahu dafür verantwortlich gemacht. Die alte Regierung habe "in keiner Weise zu einem Klima der Kooperation beigetragen", sagte er beim Manama-Dialog.

Als Beispiel nannte er den geplanten Kanal, der vom Roten Meer aus Salzwasser nach Norden leiten sollte. Eine Anlage auf jordanischer Seite der Grenze hätte Frischwasser für Jordanien und Salzwasser für das stark schrumpfende Tote Meer produzieren sollen. "Die vorige Regierung hat sich im letzten Moment abgewendet", so der Jordanier. Der Vertrag war 2013 unterzeichnet worden, im Juni dieses Jahres gaben die Jordanier schließlich das Ende des Projekts bekannt.

Jordanien zählt zu den wasserärmsten Ländern der Welt

Israels neue Regierung hatte dagegen schon früh den Kontakt nach Amman gesucht. Verteidigungsminister Benny Gantz und auch Premierminister Naftali Bennett trafen sich bereits mit König Abdullah. Erster Ausfluss dieser verbesserten Beziehungen war ein im Oktober geschlossenes Abkommen zum Verkauf von jährlich zusätzlich 50 Millionen Kubikmetern Wasser, womit Israel seine Wasserlieferungen an Jordanien verdoppelte.

Jordanien gehört zu den drei wasserärmsten Ländern der Welt. Das Königreich bezieht 60 Prozent seines Bedarfs aus Grundwasservorkommen, die vielerorts bereits ausgebeutet sind oder bald erschöpft sein dürften. Dürren im Zuge des Klimawandels und die Umleitung von Flusswasser in Israel und Syrien tragen zur Wasserknappheit bei. Außerdem hat sich die Bevölkerung in Jordanien in den vergangenen 20 Jahren auf etwa zehn Millionen Menschen verdoppelt. Eine Million Flüchtlinge kamen allein aus Syrien. Weil die Wasserknappheit Landwirtschaft vielerorts unmöglich macht, steigt die Landflucht und der Druck auf die Städte.

Nur groß angelegte Entsalzungsanlagen könnten den Bedarf der wachsenden Bevölkerung decken, sagte der frühere Regierungsmitarbeiter Dreid Mahaseneh in diesem Jahr der Nachrichtenagentur Reuters. Er warnte vor Zwangsmigration, sozioökonomischer und politischer Instabilität: "Die Zukunft unseres Landes ist dann gefährdet."

Dieser Gefahr könnte Jordanien nun mit Israels Hilfe entgehen, und zugleich kann auch Israel vom geplanten Tausch Energie gegen Wasser profitieren. Das Land deckt bislang nur etwa sechs Prozent seines Strombedarfs aus erneuerbarer Energie, will aber bis 2050 klimaneutral werden. Der Ökostrom aus Jordanien soll dabei helfen.

An den Verhandlungen über das Projekt waren in den vergangenen Monaten auch die USA maßgeblich beteiligt. Die Federführung lag beim Klimaschutzbeauftragten John Kerry, der bei der Vertragsunterzeichnung in Dubai die "mutigen und kreativen Schritte" der Kooperationspartner hervorhob. Dem Abkommen zufolge sollen die jordanischen Solaranlagen eine Kapazität von 600 Megawatt erreichen und den Strom exklusiv an Israel liefern. Im Gegenzug soll Jordanien bis zu 200 Millionen Kubikmeter Wasser jährlich aus israelischen Entsalzungsanlagen erhalten.

Israels Sicherheitsberater Eyal Hulata, der die Vereinbarung zuvor bei der Konferenz in Manama bekannt gemacht hatte, hob hervor, dass erst "das Abraham-Abkommen eine so wichtige Vereinbarung zur Förderung der nationalen Sicherheit beider Länder möglich gemacht" habe. Tatsächlich verschiebt sich damit aber auch der Fokus dieser vom früheren US-Präsidenten Donald Trump angestoßenen Nahost-Initiative. Bislang war sie vor allem darauf ausgerichtet, neue Kandidaten für eine Annäherung an Israel zu finden. Mit dem Dreiecksprojekt zwischen Israel, Jordanien und den VAE wird nun aber auch eine Verbindung geschaffen zwischen den arabischen Staaten des Abraham-Abkommens und jenen beiden Ländern, die früher schon Frieden mit Israel geschlossen hatten, also Jordanien und Ägypten.

Hilfreich könnte das vor allem für die jordanische Führung sein, die bei Abkommen mit Israel stets mit lauter Kritik aus der eigenen Bevölkerung rechnen muss. Wenn nun die VAE als Partner mit im Boot sind, könnte dies manche Woge glätten.

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