Karman, Gbowee und Johnson-Sirleaf:Friedensnobelpreis geht an drei Frauenrechtlerinnen

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Der diesjährige Friedensnobelpreis geht an drei Frauen: Liberias Präsidentin Ellen Johnson-Sirleaf, die liberianische Menschenrechtlerin Leymah Gbowee und Tawakkul Karman aus dem Jemen. "Das ist die Anerkennung für viele Jahre voller Kampf", sagt Johnson-Sirleaf. Karman widmete die Auszeichnung den "Aktivisten des arabischen Frühlings". Die Auszeichnung sei eine Ehre für alle Araber, Muslime und Frauen.

Der Friedensnobelpreis geht in diesem Jahr an drei Kämpferinnen für Frauenrechte. Die Liberianerinnen Ellen Johnson-Sirleaf und Leymah Gbowee sowie die Jemenitin Tawakkul Karman erhielten die Auszeichnung zu gleichen Teilen für ihren Einsatz für die Stärkung der Rollen der Frauen, erklärte der Vorsitzende des norwegischen Nobelkomitees, der frühere Ministerpräsident Thorbjörn Jagland, in Oslo.

[] Die 72-jährige Ellen Johnson-Sirleaf ist die erste Frau, die in Afrika ins Amt eines Staatsoberhauptes gewählt wurde. Seit den 1960er Jahren war die Harvard-Ökonomin und vierfache Mutter mehrfach Ministerin und arbeitete für die Weltbank wie die UNO, in den 1980er Jahren wurde sie wegen ihres Widerstandes gegen den Diktator Samuel Doe zwei Mal inhaftiert.

Die Wirrungen des liberianischen Bürgerkriegs zwichen 1989 und 2003, in dem 250.000 Menschen ums Leben kamen, hat Johnson-Sirleaf nicht völlig unbeschadet überstanden. In einem Bericht der Kommission für Wahrheit und Versöhnung aus dem Jahr 2009 wird ihr angekreidet, den später wegen Kriegsverbrechen international gesuchten Charles Taylor zeitweise unterstützt zu haben. Johnson-Sirleaf brachte zu ihrer Verteidigung vor, sie habe sich von Taylor abgewandt, als dessen Verbrechen offenkundig wurden. Seit 2006 ist sie Präsidentin von Liberia.

"Ich habe nie geglaubt, dass ich diesen Preis bekommen würde. Es gibt so viele Menschen, die ihn verdient haben", sagte Johnson-Sirleaf in einer ersten Reaktion. Der Nobelpreis sei für sie "die Anerkennung für sehr viele Jahre voller Kampf" und ein "wunderbarer Ausdruck für die Hoffnung auf ein neues Liberia."

[] Leymah Gbowee, 1972 in Monrovia geboren, hat als Bürgerrechtlerin den Friedensprozess in Liberia maßgeblich vorangetrieben. Vor zehn Jahren wurde sie Koordinatorin der Organisation "Women in Peacebuilding". Ein Jahr später gründete sie die Bewegung "Women of Liberia Mass Action for Peace". Gewaltfreie Protestaktionen von Frauen und Müttern gegen den damaligen Präsidenten Charles Taylor standen im Mittelpunkt ihrer Initiativen. Das Nobelpreis-Komitee ehrte sie für ihren "friedlichen Kampf für die Sicherheit der Frauen und für das Recht der Frauen, an friedensstiftender Arbeit teilzuhaben".

[] Tawakkul Karman gilt als eines der bekanntesten Gesichter der Protestbewegung im Jemen. Die 32-jährige Journalistin provozierte den jemenitischen Präsidenten schon, als die Aufstände in Tunesien und Ägypten noch gar nicht abzusehen waren. Sie presste politische Gefangene frei und forderte mehr Pressefreiheit. Radikale Islamisten haben ihr vorgeworfen, sie versuche, die Frauen zur Rebellion gegen ihre Männer anzustacheln. Tawakkul Karman widmete die Auszeichnung den "Aktivisten des arabischen Frühlings". Die Auszeichnung sei eine Ehre für alle Araber, Muslime und Frauen, sagte Karman dem in Dubai ansässigen Sender al-Arabija. Sie ist die erste Araberin, die den Friedensnobelpreis erhält.

Glückwünsche aus Europa

Die Bundesregierung begrüßte die "weise Entscheidung" des Nobelpreis-Komitees. Es seien Frauen geehrt worden, "die den gewaltfreien Kampf für die Rechte von Frauen als echte Friedensarbeit betreiben", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. Außenminister Guido Westerwelle sagte, er habe "großen Respekt vor diesen mutigen Frauen. Sie haben die Auszeichnung verdient."

Auch die Europäische Union gratulierte den Preisträgerinnen. Die Entscheidung sei eine "Anerkennung der ausschlaggebenden Rolle, die Frauen bei der friedlichen Beilegung von Konflikten und demokratischen Veränderungen in der ganzen Welt spielen", erklärten EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso und EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy gemeinsam.

Im vergangenen Jahr hatte der inhaftierte chinesische Dissident Lu Xiaobo den mit rund 1,1 Millionen Euro dotierten Preis erhalten. Preisträger vor ihm war US-Präsident Barack Obama.

Als Favoriten für die Auszeichnung hatten die Vorkämpfer des arabischen Frühlings gegolten, unter ihnen die ägyptischen Internet-Aktivistinnen Asmaa Mahfus und Israa Abdel Fatah von der Bewegung 6. April sowie die tunesische Bloggerin Lina Ben Mhenni. Auch über eine Ehrung der afghanischen Frauenrechtlerin Sima Samar oder des internationalen Kriegsverbrechertribunals in Den Haag war spekuliert worden.

Zu den Anwärtern auf den prestigeträchtigen Preis wurde auch Altkanzler Helmut Kohl gezählt, der wegen seiner Verdienste um die deutsche Einheit schon in den vergangenen Jahren mehrfach als Favorit galt. Der Friedensnobelpreis geht auf Alfred Nobel zurück, den schwedischen Erfinder des Sprengstoffs Dynamit.

Linktipp: Im Oktober 2009 gab Johnson-Sirleaf der Süddeutschen Zeitung ein Interview.

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