Kampf um May-Nachfolge Nur noch Johnson und Hunt sind übrig

Boris Johnson und Jeremy Hunt - hier bei einer Debatte der BBC - gehen nun ins Rennen um den Parteivorsitz der Tories und das Amt des Premierministers.

(Foto: Jeff Overs/afp)
  • Im Rennen der Tories um die Nachfolge von Großbritanniens Premierministerin May gibt es noch zwei Kandidaten.
  • Ex-Außenminister Johnson geht als Favorit in die Urabstimmung in etwa einem Monat, gegen ihn tritt der amtierende Außenminister Hunt an.
Von Cathrin Kahlweit, London

Dass Ex-Außenminister Boris Johnson unter den letzten zwei Kandidaten sein würde, die sich um das Amt des konservativen Parteichefs und Premierministers bewerben, war schon seit etwa einer Woche klar gewesen; er hatte die Liste uneinholbar angeführt. Seit Donnerstagnachmittag ist bekannt, dass er gegen den amtierenden Außenminister Jeremy Hunt antreten wird. In einer letzten und entscheidenden Abstimmungsrunde hatte Johnson 160 Stimmen von den Mitgliedern der Tory-Fraktion im Unterhaus bekommen, Hunt war auf 77 Stimmen gekommen. Damit lag er nur zwei Stimmen vor Umweltminister Michael Gove, der zum Schluss mit 75 Stimmen aus dem Rennen ausschied. Schon am Morgen, in der vorletzten Abstimmungsrunde, war Innenminister Sajid Javid ausgeschieden.

Johnson und Hunt werden sich nun von Samstag an über eine Zeitspanne von vier Wochen der Parteibasis in sogenannten hustings vorstellen. Bei diesen innerparteilichen Wahlkampfveranstaltungen können sich die Mitglieder ein Bild davon machen, welcher der Kandidaten nicht nur den besseren Parteichef, sondern auch den besseren Regierungschef abgeben würde. Nach einer Urabstimmung soll das Ergebnis am 22. Juli bekannt gegeben werden.

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Kurz nach der Kür des Nachfolgers von Theresa May, die das Amt derzeit noch kommissarisch ausübt, geht das Parlament für etwa vier Wochen in die Sommerpause, danach stehen eine Reihe von Parteitagen an, während derer das Parlament üblicherweise auch nicht tagt. Der neue Premier hat also nur noch wenige Sitzungswochen bis zum offiziellen Austrittsdatum, dem 31. Oktober, um mit einem neuen Kabinett und gemeinsam mit den Abgeordneten, vor allem aber in Verhandlungen mit Brüssel, einen Weg aus dem Stillstand zu finden und den Brexit mit einem allseits akzeptierten Vertrag umzusetzen.

Sollte das nicht gelingen, haben sich beide Bewerber verpflichtet, No Deal, also einen harten Ausstieg aus der EU zu verfolgen. Hunt hatte allerdings eingeräumt, er werde, sollte ein Deal in greifbarer Nähe sein, eine kurze Verlängerung mit Brüssel aushandeln. Johnson hatte anfangs vollmundig getönt, No Deal sei eine realistische Alternative, wenn Brüssel nicht einlenke. In einer TV-Debatte der BBC machte er dann jedoch wieder einen halben Rückzieher und räumte ein, dass ein harter Brexit nicht unbedingt wünschenswert, aber vielleicht unumgänglich sei.

Am Nachmittag hatte Hunt getwittert, er werde Boris Johnson in die Schranken weisen, werde Land und Partei wieder einen. Aus dem Lager von Johnson wiederum war zu hören, man wünsche sich Außenminister Hunt als Gegenkandidaten. Es wird daher spekuliert, dass Johnson einige Unterstützer verpflichtete, sogenannte "Leihstimmen" an Hunt abzugeben und so Gove auf den dritten Platz zu verweisen. Gove und Johnson hatten sich beim letzten Wettbewerb um die Parteiführung 2016 tief zerstritten; Johnson hatte mit ihm eine Rechnung offen. Beobachter in Westminster hatten sich daher vor einem schmutzigen Wahlkampf für den Fall gefürchtet, dass Gove und Johnson die letzten Kandidaten gewesen wären. Hunt, ein ehemaliger Remainer, der sich aber dem Referendum verpflichtet sieht, gilt im Johnson-Lager als uncharismatisch und leichter zu schlagen.

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