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Jens Spahn:Genug Chuzpe und Selbsbewusstsein, um Konflikte auszuhalten

Manches erinnert in der Tat an den früheren Fraktionschef. Merz kam aus dem Sauerland, Spahn kommt aus dem Münsterland - beide Ecken gehören zu den Konservativsten in Nordrhein-Westfalen. Das aber ist nicht das einzige, das beide verbindet. Es ist die Leidenschaft und die Lust an der Provokation, die Spahn zum Erben von Merz machen könnte. Vielleicht ist das ja der Grund dafür, dass Wolfgang Schäuble einen kleinen Narren an dem Mann gefressen hat. So jedenfalls sehen es viele.

Schäuble hatte Merz entdeckt, lange bevor der ein Begriff wurde. Schäuble war es, der Spahns Aufstieg ins CDU-Präsidium beförderte. Und Schäuble hat ihn auch unterstützt, als er 2015 zum Finanzstaatssekretär aufstieg. Der Job ist für den immer noch jungen Spahn das ideale Sprungbrett. Hier lernt er in kurzer Zeit viel über alle Politikfelder. Und als Präsidiumsmitglied kann er sich zu allem äußern, was ihn umtreibt. Das ist ein Trumpf, den Spahn mehr nutzt als alle anderen Kollegen zusammen - und das so radikal, dass selbst der Kanzlerin das Blut in den Kopf steigt.

Zu besichtigen war das auf dem letzten CDU-Bundesparteitag. Spahn warb unter tosendem Applaus für eine Abschaffung des Doppelpasses; Merkels Getreue hielten dagegen. Und die Verliererin hieß Angela Merkel. Entsprechend verärgert stellte sie ihren Herausforderer zur Rede; dabei aber dürfte ihr auch klar geworden sein, dass Spahn über genügend Chuzpe und Selbstbewusstsein verfügt, um Konflikte auszuhalten. Auch gegen die Kanzlerin, wenn es sein muss.

Das übrigens könnte damit zu tun haben, dass Spahn über seinen ersten fast zerbrochen wäre. Er war 27, als er die Seniorenunion mit einer Kritik an einer Rentenerhöhung gegen sich aufbrachte. Die Reaktion war heftig; einige alte Herren attackierten ihn, schickten Drohungen und versuchten, ihm den Wahlkreis zu entreißen, inklusive schmutziger Andeutungen über seine Homosexualität, was genau so giftig gemeint war. Über Wochen wusste Spahn nicht, wie die Sache ausgehen würde. Erst dann war klar, dass die Alten überzogen hatten und viele im Wahlkreis sich hinter ihn stellten. Eine Weggefährtin sagt heute: "Das hat ihn mehr gestärkt als alles, was er sonst bis heute erlebt hat."

Union

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