Jemen Zwischen Sturm und Hoffnung

Die von Saudi-Arabien angeführte Koalition ändert ihre Strategie in Jemen. Die groß angelegte Luftoffensive wurde zunächst eingestellt - zugunsten einer politischen Lösung.

Von Paul-Anton Krüger, Kairo

Die von Saudi-Arabien geführte Militär-Koalition hat auch am Mittwoch weiter Luftangriffe auf Ziele der Huthi-Miliz in Jemen geflogen. Kampfjets bombardierten Militärstützpunkte nahe der umkämpften Hafenstadt Aden und in Taizz, der zweitgrößten Stadt des Landes. Das Verteidigungsministerium in Riad hatte am späten Dienstagabend bekannt gegeben, die bisherige Operation Sturm der Entschlossenheit sei beendet und werde abgelöst von einer neuen Phase, die den Codenamen Wiederherstellung der Hoffnung erhielt. Damit sei man einer Bitte des international anerkannten Präsidenten Abd Rabbo Masur Hadi nachgekommen, sagte der Sprecher des Militärs, Brigadegeneral Ahmed Asiri .

Die groß angelegte Luftoffensive mit Dutzenden Bombardements pro Tag wurde zunächst eingestellt. Die Koalition flog seit dem 26. März nach eigenen Angaben mehr als 2000 Angriffe auf die Huthi-Rebellen und ihre Verbündeten in der Armee, die loyal zu Ex-Präsident Ali Abdullah Saleh stehen. Jetzt konzentriere sich das Bündnis auf Anti-Terror-Maßnahmen, Hilfen und eine politische Lösung des Konflikts, teilte Asiri mit. Er stellte aber klar, dass die Seeblockade aufrechterhalten werde und die Koalition nicht zulassen werde, dass die Huthis Einheiten verlegen oder weitere Gebiete erobern. Aus verschiedenen Landesteilen wurden weiter Kämpfe gemeldet zwischen der schiitischen Miliz und verschiedenen Einheiten, die sich ihren Vorstößen entgegenstellen. In Aden kontrollieren die Huthis mittlerweile nach Informationen aus Jemen vier der fünf Stadtbezirke.

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Ex-Präsident Saleh, die Türkei und die Vereinigten Staaten begrüßten die Ankündigung Saudi-Arabiens. Ein Sprecher der US-Regierung sagte, nötig sei eine diplomatische Lösung unter Vermittlung der Vereinten Nationen. Auch andere Staaten forderten Friedensverhandlungen. Irans Präsident Hassan Rohani verlangte, Gespräche müssten unverzüglich beginnen. Die sunnitischen Golfstaaten beschuldigen das Regime in Teheran, die Huthis mit Waffen zu versorgen und sich mit ihrer Hilfe die Kontrolle über Jemen sichern zu wollen.

US-Präsident Barack Obama warnte Iran indirekt vor Waffenlieferungen an die Huthis. Die USA hätten ihre Flotte vor Jemens Küste verstärkt, um die Freiheit der Schifffahrt zu garantieren. Falls aber "Waffen an Fraktionen in Jemen geliefert werden, die die Schifffahrt bedrohen könnten, ist das ein Problem", sagte er. Dies habe man Teheran deutlich gemacht, fügte Obama hinzu. Iran hatte jüngst zwei Kriegsschiffe in den Golf von Aden entsandt, in den vergangenen Tagen war dort noch ein weiterer Konvoi mit angeblich neun zivilen Schiffen aufgekreuzt, der Misstrauen weckte.

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(Foto: Yahya Arhab/dpa)