Süddeutsche Zeitung

Jemen:Das Bündnis von Präsident Hadi ist zerbrochen

  • In Jemen haben südliche Separatisten Aden eingenommen, den Regierungssitz von Präsident Hadi.
  • Damit ist das Bündnis gegen die Huthi-Rebellen zerbrochen.
  • Die von Saudi-Arabien angeführte Koalition hat nun ihrerseits die Separatisten angegriffen, ein Frieden in dem Land rückt in noch weitere Ferne.

Im jemenitischen Bürgerkrieg ist das von Saudi-Arabien unterstützte Bündnis von Präsident Abd-Rabbu Mansur Hadi auseinandergebrochen. Separatisten im Süden Jemens übernahmen am Samstag nach viertägigen Gefechten mit Truppen des Präsidenten die Kontrolle über die Hafenstadt Aden. Bislang kämpften die Separatisten an der Seite der Armee Hadis gegen die aufständischen Huthi-Rebellen. Aden war der Regierungssitz Hadis, nachdem Huthis ihn aus der Hauptstadt Sanaa verdrängt hatten. Der gesundheitlich angeschlagene Hadi selbst hält sich seit Jahren in der saudi-arabischen Hauptstadt Riad auf.

Die Eroberung des Präsidentenpalastes in Aden sei auf keinen Widerstand gestoßen, teilte ein Militärkommandeur der Separatisten mit, die einen eigenen Staat gründen wollen. Die Regierung Hadis nannte das Vorgehen des "Südlichen Übergangsrates" STC, der von den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) unterstützt wird, einen Putsch. Der STC strebt einen unabhängigen Süden Jemens an.

Der Bruch Saudi-Arabiens und der VAE, die die Huthi-Rebellen eigentlich gemeinsam bekämpfen, wird im jemenitischen Bürgerkrieg zunehmend deutlich. Saudi-Arabien rief zu einem Krisengipfel auf, um den Konflikt zu beenden. Die von den Saudis angeführte Koalition stellte sich auf die Seite Hadis und attackierte die Separatisten. Sie habe Gebiete angegriffen, die eine "direkte Bedrohung" für Hadis Regierung darstellten, teilte sie mit. "Das war nur die erste Aktion, weitere werden folgen", wurde sie im saudischen Staatsfernsehen zitiert. Noch habe der STC die Möglichkeit, sich zurückzuziehen.

Aden sei ein "Schlachtfeld", erklärte die Organisation Ärzte ohne Grenzen am Samstag, das Krankenhaus sei mehr als voll. In weniger als 24 Stunden habe man 119 Patienten behandelt. Bei den Kämpfen um Aden sind nach Angaben der Vereinten Nationen bislang 40 Menschen getötet und 260 verletzt worden.

Für Saudi Arabien stellt die Entwicklung einen Rückschlag im Machtkampf mit Iran um die Vorherrschaft in der Region dar. Das arabische Land unterstützt seit 2015 Hadi, der 2014 von den Huthis aus Sanaa vertrieben wurde. Die Regierung in Riad führt ein Bündnis mehrerer sunnitischer Staaten an, die vor allem mit Luftangriffen die Truppen Hadis unterstützen.

Die Huthis sind mit dem schiitischen Iran verbündet. Die Rebellen haben weite Teile des Landes unter ihre Kontrolle gebracht. Durch die Kriegswirren ist die Versorgung mit Nahrungsmitteln vielerorts zusammengebrochen, nach UN-Angaben leiden Millionen Menschen Hunger. Mehr als zwei Millionen wurden im Bürgerkrieg aus ihrer Heimat vertrieben.

Seit Monaten bemühen sich die Vereinten Nationen um die Vermittlung eines Friedens. Die jüngste Entwicklung dürfte die Position Hadis geschwächt haben und damit die Gespräche erschweren. Die Huthis erklärten, die Ereignisse in Aden belegten, dass Hadi unfähig zum Regieren des Landes sei. Es sei an der Zeit, dass die bestimmenden Kräfte des Landes ernsthafte Gespräche führten, um den Jemen in einen föderalen Staat zu überführen, in dem die Interessen aller Seiten berücksichtigt würden, teilte der stellvertretende Huthi-Außenminister Hussein al-Azzi mit.

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