Machtkampf in der Golfregion Warum die saudischen Luftschläge im Jemen nichts gebracht haben

Smoke rises after a Saudi-led airstrike hit a site where many believe the largest weapons cache in Yemen's capital, Sanaa, on Tuesday, April 21, 2015. The Saudi-led coalition pounded Shiite rebels in Yemen on Tuesday, killing at least 19 in a city in the country's west, officials said. (AP Photo/Hani Mohammed)

(Foto: AP)

Der Versuch, die Huthi-Miliz zu stoppen, ist legitim. Doch die saudische Militärintervention war ein Desaster - kein Problem wurde gelöst, es wurden nur neue geschaffen. Aber darum scheint es den Saudis gar nicht zu gehen.

Kommentar von Paul-Anton Krüger

Vier Wochen hat die von Saudi-Arabien geführte Koalition Ziele in Jemen bombardiert und das Land mit einer Luft- und Seeblockade belegt. Die Bilanz der Operation Sturm der Entschlossenheit ist verheerend: Tausend Menschen haben nach UN-Angaben ihr Leben verloren, tatsächlich dürfte die Opferzahl aber weit höher liegen.

Die ohnehin mangelhafte Infrastruktur im ärmsten Land Arabiens liegt zu erheblichen Teilen in Trümmern, auch wenn die Kampfjets ganz überwiegend militärische Ziele attackiert haben. Der Schaden ist nicht damit behoben, wenn jetzt eines der reichsten Länder der Region aus seiner Portokasse jene 274 Millionen Dollar bezahlt, die laut den Vereinten Nationen allein in den nächsten drei Monaten für humanitäre Hilfe nötig sind.

Jemen Menschen im Jemen leiden unter Folgen der Kämpfe
Humanitäre Lage

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Zwar verkündet Riad, der Einsatz habe sein militärisches Ziel erreicht und die Bedrohung für Saudi-Arabien und seine Nachbarn eliminiert. Den Vormarsch der Huthis aber haben die Bomben nicht stoppen können. Im Gegenteil: Sie trieben der Miliz Tausende Männer in die Arme, die bereit sind, sich einer Intervention entgegenzustellen, auch wenn sie nicht die Ziele der Huthis teilen oder zur schiitischen Minderheit gehören. Dem zu Beginn der Offensive ausgegebenen politischen Ziel, Jemens international anerkannten Präsidenten Abd Rabbo Mansur Hadi wieder einzusetzen, ist Riad ebenfalls nicht nähergekommen.

Die Militärintervention der Saudis hat keines der Probleme gelöst

Jene Jemeniten, die gegen die Huthis kämpfen, kämpfen noch lange nicht für Hadi. Die meisten verfolgen eigene Ziele. Unter ihnen sind Sezessionisten aus dem Süden, sunnitische Stämme, die ihre Einflussgebiete gegen jeden Eindringling verteidigen, und militante Islamisten der al-Qaida, die sich ganze Landstriche einverleiben.

Hadi hat keine Machtbasis mehr, er ist selbst bei der Islah-Partei verhasst, der lokalen Filiale der Muslimbruderschaft, um deren Gunst Riad gerade buhlt. Saudi-Arabien, das über Jahrzehnte Jemen als Hinterhof betrachtete und sich die Mächtigen des Landes mit einem System der Patronage gewogen hielt, hat seinen Einfluss dort in den vergangenen Jahren weitgehend verspielt.

Iran unterstützt die Huthis, aber die Konfessionen sind nicht das zentrale Problem

Das Haus Saud, seinem Selbstverständnis nach Vormacht der sunnitischen Welt, betrachtet unter dem neuen König Salman den Konflikt in Jemen primär durch das Brennglas der Geopolitik - als Teil des Wettstreits um Dominanz in der Region mit Iran, der Schutzmacht der Schiiten. Zweifellos unterstützt Teheran die Huthis, wohl auch mit Waffen. Aber Iran ist nicht der Anführer der Huthi-Rebellion.

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In Jemen war der Gegensatz zwischen den Konfessionen nicht das zentrale Problem und auch nicht der Auslöser des Konflikts. Die Huthis gehören einem Zweig des Schiitentums an, der mehr mit sunnitischen Rechtsschulen gemein hat als mit Irans Staatsreligion.

Saudi-Arabien hat keine klare Strategie für die Lösung der jemenitischen Probleme

Hatte König Salman erst die Eliteeinheiten der Nationalgarde zum Kampf gerufen, wurde Stunden später eine neue Phase der Militäroperation verkündet - wohl auch auf Druck der Amerikaner. Jetzt sollen diplomatische und politische Bemühungen greifen. Doch so wenig Saudi-Arabien eine klare Strategie für den Krieg hatte, lässt es nun erkennen, wie die politischen Probleme Jemens zu lösen wären, die dem Konflikt mit den Huthis zugrunde liegen: Korruption und Misswirtschaft, die lange Marginalisierung der Volksgruppe, Konkurrenz um knappe Ressourcen.

Die Huthis haben die Zersplitterung der Macht in Sanaa zum Putsch genutzt, haben das Land aufgerollt. Sie lassen Gegner verschwinden, bedrohen unabhängige Journalisten. Der Versuch, ihnen Einhalt zu gebieten, ist legitim. Die Mittel dafür waren die falschen. Jetzt muss unter UN-Vermittlung eine Regierung der nationalen Einheit gesucht werden. Wenn aber Saudi-Arabien und Iran Jemen zum Austragungsort ihrer regionalen Ambitionen machen, wird das Leiden der Menschen weitergehen.