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Jemen:Eine Front weniger

Die Separatisten und das Präsidentenlager waren verfeindet. Jetzt aber verbünden sie sich gegen die Huthi-Rebellen.

In dem seit fünf Jahren andauernden Konflikt in Jemen könnte nun zumindest an einer Front Ruhe einkehren: In Saudi-Arabiens Hauptstadt Riad unterzeichnete am Dienstagabend der international anerkannte Präsident Abed Rabbo Mansur Hadi mit Vertretern des separatistischen Südlichen Übergangsrats (STC) ein Abkommen zur Machtteilung. Hadis Exilregierung und die Separatisten, die für eine neuerliche Abspaltung des bis 1990 eigenständigen Süden Jemens eintreten, waren im Konflikt mit den schiitischen Huthi-Rebellen aus dem Norden des Landes lange als Verbündete aufgetreten.

Im August jedoch brachen in der Hafenstadt Aden Kämpfe zwischen Hadis Armee und den Milizen des STC aus. Es drohte sich ein Bürgerkrieg im Bürgerkrieg zu entwickeln, der auch die beiden dominierenden Mächte in der in Jemen aktiven internationalen Militärkoalition entzweite: Saudi-Arabien unterstützte Hadi, die Vereinigten Arabischen Emirate hingegen sind eng mit dem STC verbündet. Der ohnehin schon komplizierte Konflikt drohte vollkommen übersichtlich zu werden, als die Emirate Einheiten von Hadis Armee bombardierten, um STC-Kämpfer zu schützen.

Das nun unterzeichnete Abkommen sieht vor, dass beide Gruppen aus Aden abrücken, die Sicherheit dort sollen fortan Einheiten Saudi-Arabiens garantieren. Hadi, der seit seiner Flucht aus der Hauptstadt Sanaa 2014 meist im Exil lebt, soll nach Jemen zurückkehren und von Aden aus regieren. Vor allem aber soll die neue Einigkeit zwischen Regierung und Separatisten genutzt werden, um geschlossen gegenüber den Huthi-Rebellen aufzutreten - und das nicht nur auf dem Schlachtfeld: "Diese Vereinbarung wird, so Gott will, zu umfassenderen Gesprächen zwischen den Konfliktparteien in Jemen führen, um eine politische Lösung zu finden und den Krieg zu beenden", sagte der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman nach der Unterzeichnung des Abkommens.

Bin Salman hatte in seiner Funktion als Verteidigungsminister 2015 die Intervention im Nachbarland begonnen - damals war er davon ausgegangen, den Konflikt binnen weniger Wochen militärisch entscheiden zu können. Dass dies eine Fehleinschätzung war, ist nicht erst deutlich, seit die Opferzahl des Konflikts nach Berechnungen von Analysten in diesem Jahr die Marke von 100 000 überschritten hat. So bestätigte ein saudischer Offizieller der Nachrichtenagentur AP am Mittwoch erstmals, dass das Königreich mit den Huthi-Rebellen über inoffizielle Kanäle in Gesprächen stehe, um ein Ende des Konflikts zu erreichen.

© SZ vom 07.11.2019
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