Humanitäre Lage:Jemeniten befürchten Andauern des Krieges

Im Gouvernement Hadramaut haben Kämpfer der Terrororganisation al-Qaida auf der Arabischen Halbinsel sich das Machtvakuum zunutze gemacht und die Hauptstadt der Region, al-Mukalla, sowie einen Flughafen und ein Ölterminal unter ihre Kontrolle gebracht. Das US-Verteidigungsministerium zeigte sich von der Entwicklung besorgt.

Durch den Krieg in Jemen dürfte die dortige al-Qaida-Filiale, die ohnehin schon als schlagkräftigste und gefährlichste gilt, wieder an Stärke gewinnen. Das US-Militär hatte seit 2009 mit Einverständnis Sanaas versucht, mit Drohnenschlägen die Kader der Organisation zu eliminieren; erst am Donnerstag töteten sie bei al-Mukalla Ibrahim al-Rubaish.

Der 35 Jahre alte saudische Staatsbürger galt als einer der Chefideologen der Qaida in Jemen und trat als ihr Sprecher auf. Es war der erste solche Angriff, nachdem vor sechs Wochen die letzten US-Soldaten Jemen wegen des Huthi-Vormarsches verlassen hatten.

Präsident Hadi ohne Machtbasis

Saudi-Arabien erklärte sich bereit, die gesamte von den UN für humanitäre Hilfe in Jemen geforderte Summe von 274 Millionen Dollar bereitzustellen. Ein Ende der Angriffe schloss Riad aber zunächst aus und wies einen Friedensplan Irans zurück. Die sunnitischen Golfstaaten beschuldigen den schiitischen Iran, er bewaffne und unterstütze die Huthis, ebenfalls Schiiten, um aus Jemen einen Vasallenstaat zu machen.

Unabhängige Experten und westliche Diplomaten sprechen von politischer Unterstützung Teherans für die Huthis, die USA warfen Iran auch Waffenlieferungen vor. Allerdings stellen die meisten unabhängigen Quellen in Abrede, dass der Aufstand in Jemen und der Vormarsch der Huthis von Iran gesteuert wird.

Präsident Hadi, dessen Wiedereinsetzung das erklärte Ziel der Offensive ist, verfügt in Jemen über keine Machtbasis mehr. Als möglicher Nachfolger gilt Khalid Bahah, der letzte Premier und eine für alle Parteien akzeptable Figur. Ihn hat Hadi jüngst zu seinem Stellvertreter ernannt. Mit zunehmender Dauer der Offensive schließen sich aber immer mehr Freiwillige den Huthis an, um Ruhe und Ordnung im Land wiederherzustellen - auch wenn sie deren politische Ziele nicht teilen.

Eine Bodenoffensive, über die wieder spekuliert wird, seit Saudi-Arabien und Ägypten ein Großmanöver angekündigt haben, würde wohl auf entschiedenen Widerstand in Jemen stoßen und zu verlustreichen Gefechten führen. Weil aber beide Seiten offenbar davon ausgehen, dass die Zeit für sie spielt und sie ihre Ausgangsposition für mögliche Verhandlungen verbessern wollen, fürchten die Jemeniten, dass der Krieg fürs Erste weitergehen wird.

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