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Japan:Warum Obama Hiroshima besucht

In Hiroshima demonstriert ein Mann gegen den Besuch von Barack Obama und Japans Premier Abe in seiner Stadt.

(Foto: Johannes Eisele/AFP)

In den USA wird bis heute darüber gestritten, ob sich das Land für den Abwurf einer Atombombe entschuldigen muss. Der US-Präsident verfolgt bei seiner Reise eine eigene Agenda.

Noch nie hat ein US-Präsident Hiroshima besucht. Richard Nixon war dort, bevor er ins höchste Amt gelangte, Jimmy Carter war dort, nachdem er es wieder verlassen hatte. Kein amerikanisches Staatsoberhaupt wollte je in die Verlegenheit geraten, sich für den Abwurf der Atombombe zu entschuldigen, die im August 1945 die japanische Stadt vernichtet hatte.

Wenn Barack Obama also an diesem Freitag Hiroshima besucht, wird dies eine historische Reise sein. Allerdings hat das Weiße Haus immer wieder betont: Entschuldigen wird sich Obama nicht.

Der Präsident möchte seinen Besuch als Mahnung verstanden wissen. In Hiroshima könne man des enormen Leids im Zweiten Weltkrieg gedenken, sagt Obamas Berater Benjamin Rhodes, "ein Konflikt mit Dutzenden Millionen Toten weltweit, unter ihnen so viele Unschuldige, auch unschuldige japanische Zivilisten in Hiroshima".

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Die Botschaft Obamas sei also zum Teil eine Warnung an Politiker und Bürger, sich immer an die "enormen Kosten des Krieges" zu erinnern. Zweitens seien die japanischen Städte Hiroshima und Nagasaki Symbole für die Zerstörungskraft von Atomwaffen. Mit seinem Besuch wolle Obama die Welt ermahnen, nicht nachzulassen im Kampf gegen Proliferation. "Wir müssen die Ausbreitung von Atomwaffen verhindern, die bestehenden Arsenale abbauen und letztlich eine Welt ohne diese Waffen anstreben", sagt Rhodes.

So gesehen passt der Besuch Obamas in jeder Hinsicht zu seiner Agenda. Allgemein setzt er sich gerne über das hinweg, was in Washington als Status quo gilt. Vor wenigen Wochen hat er als erster Präsident seit der kubanischen Revolution das kommunistische Nachbarland besucht. Zweitens hat Obama den Kampf gegen Atomwaffen von Anfang an zu einer seiner Prioritäten erklärt; bereits 2009, in seinem ersten Amtsjahr, malte er bei einer Rede in Prag eine Welt ohne Nuklearwaffen aus.

Dieses Ziel hat er zwar nicht erreicht: Die Abrüstungsbemühungen mit Russland stocken, und Obama will das US-Atomarsenal sogar modernisieren. Aber er hat auch Fortschritte erzielt, den Konflikt um das iranische Atomprogramm zum Beispiel mit einem Abkommen vorläufig beendet. Obama, der während seiner bald acht Jahre an der Macht kontinuierlich vor militärischen Abenteuern gewarnt hat, besucht nun also die Stadt, in der die bisher tödlichste Massenvernichtungswaffe eingesetzt wurde.

"Als einzige Atommacht, die eine Atombombe eingesetzt hat, liegt bei den USA eine besondere moralische Verantwortung", sagte Obama 2009 in seiner Prager Rede. Aber diese Verantwortung bedeutet aus Washingtoner Sicht nicht, sich für den Abwurf der Bombe auf Hiroshima zu entschuldigen. Obama steht bei seinen Gegnern ohnehin in dem Ruf, sich ständig in aller Welt für Amerikas Stärke und Einfluss zu entschuldigen, und er möchte dem offensichtlich nicht neue Nahrung geben.