Japan Sumo und politisches Ringen

US-Präsident Trump und der japanische Premier Abe kaschieren in Tokio einen bilateralen Handelsstreit. Der amerikanische Gast begeht sogar ein Sakrileg.

Von Christoph Neidhart, Tokio

Mit roter USA-Mütze grinst Präsident Donald Trump auf dem Selfie in die Kamera, das Japans Premier Shinzo Abe am Sonntag beim Golfspielen mit ihm gemacht hat. Das Bildchen wurde auf dem Twitter-Konto des Premiers veröffentlicht. Ein paar Stunden später schlurfte Trump beim Sommer-Turnier der Sumo-Profis in Plastiklatschen in den Ring - eigentlich ein Sakrileg, der heilige Sumo-Ring darf nur barfuß oder in Socken betreten werden, aber für Trump setzt Abe Ausnahmen durch. Der US-Präsident überreichte Turniersieger Hideki Asanoyama eine 30-Kilo-Trophäe, die das Weiße Haus den "Pokal des amerikanischen Präsidenten" nannte. Der Sieger hatte bereits einen regulären Pokal erhalten, der zusätzliche sollte allein Trump den Auftritt im Sumo-Ring ermöglichen. Danach gingen die Ehepaare Trump und Abe im Barviertel Roppongi zum "Yakiniku", einem Essen, bei dem man das Fleisch am Tisch selber brät.

Trump hat Japan mit Strafzöllen auf Autos gedroht

Abe tut alles, um Trump bei Laune zu halten. An diesem Montag wird der Präsident als erster ausländischer Staatschef vom neuen Kaiser Naruhito empfangen. Trump genießt den Tanz um sein Ego sichtlich. Und er lässt sich, so Japans Spekulation, damit von einem bilateralen Freihandelsabkommen ablenken.

Trump hält Abe das US-Handelsdefizit mit Japan von 70 Milliarden US-Dollar vor. Während Toyota, Nissan und Honda in den USA zu den meistverkauften Automarken gehören, sieht man in Japan kaum ausländische Fabrikate. Und wenn, dann deutsche und französische. Trump hat Japan deshalb mit Strafzöllen auf Autos gedroht, obwohl diese viel in den USA produzieren.

Japan genieße seit Jahren Vorteile gegenüber Amerika, frotzelte er am Samstagabend in Tokio vor Japans Industrievertretern. "Aber vielleicht mögt ihr mich deshalb so sehr." Dann lobte er Akio Toyoda von Toyota und Masayoshi Son, den Chef des Mobilfunkanbieters Softbank, für ihre US-Investitionen und rief: "Mehr!" Die Handelsgespräche zwischen den USA und Japan machten große Fortschritte, behauptete er, insbesondere in der Landwirtschaft. Tatsächlich melden Japans Medien, Tokio erwäge mehr Rindfleisch aus den USA zu importieren. Trump brauche für die Wahlen 2020 Erfolge.

Den Abschluss eines Freihandelsabkommens dagegen sucht Tokio freundlich zu verschleppen. Vor zwei Jahren tat Abe das, indem er vorschlug, das Portfolio US-Vize Mike Pence und Japans Vize-Premier Taro Aso anzuvertrauen. Er wusste, die beiden würden nichts ausrichten. Jetzt lenkt er Trumps Aufmerksamkeit auf Golf, Sumo, gebratenes Rindfleisch - aus den USA - und den neuen Kaiser.

Von Politik und Freihandel soll deshalb auch bei den politischen Gesprächen am Montag eher weniger die Rede sein. Eine gemeinsame Erklärung wird nicht erwartet. Abe will mit Trump über Nordkorea reden. Auch über die verschleppten Japaner, die noch dort leben. Dazu versicherte Trump in Tokio erneut, er vertraue Kim und glaube, dieser sei zur Denuklearisierung bereit.