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Japan:Kaiser spricht von "tiefer Reue"

Er folgt dem Vorbild seines Vaters: Japans neuer Kaiser Naruhito zeigt sich am Tag der Kapitulation demütig.

Japans neuer Kaiser Naruhito drückte am Donnerstag "tiefe Reue" über die Millionen Opfer von Japans Kriegen aus. Er hoffe, "die Verwüstungen des Krieges würden nie wiederholt". In seiner Ansprache zum 74. Jahrestag des Kriegsendes hielt Naruhito sich an die Wortwahl seines Vaters Akihito, der Ende April abgedankt hatte. Der 59-jährige Tenno zeigte damit, dass er sich an den Pazifismus halten wird, den Akihito vorgegeben hat.

Premier Shinzo Abe vermied es in seiner Rede zum Jahrestag, Reue zu äußern oder Verantwortung für den von Tokio angezettelten Zweiten Weltkrieg zu übernehmen, der in Ostasien 14 Jahre lang dauerte. Japan habe sich die Lektionen der Geschichte gemerkt, sagte er, und sprach von den drei Millionen toten Japanern. Friede und Wohlstand bauten "auf ihrem Opfer, das sie auf sich genommen haben", behauptete er. Die Gefallenen der Nationen, die Japan überfallen hatte, erwähnte er nicht.

Akihito verwendete die Formulierung "tiefe Reue" seit dem Jahre 2015. Damals grenzte er sich, obwohl sich der Tenno politisch nicht äußern darf, von Abe ab. Dieser sagte, Japans Regierungen hätten ihre Reue mehrfach ausgedrückt und sich entschuldigt. Dies selber zu tun, vermied er jedoch. Japan könne es nicht zulassen, dass sich auch seine Kinder und Enkel noch entschuldigen müssten. So äußerte der Kaiser seither jedes Jahr "tiefe Reue", während Abe die japanischen Gefallenen bedauerte.

Um diesen seine Reverenz zu erweisen, schickte der Premier auch dieses Jahr eine Opfergabe an den Yasukuni-Schrein. Überbracht wurde sie von Tomomi Inada, seiner glücklosen Ex-Verteidigungsministerin, eine stramme Nationalistin. Abe selbst kann nicht zum Yasukuni pilgern, damit würde er die gegenwärtige Annäherung an China gefährden. Da der Yasukuni-Schrein auch Japans Kriegsverbrecher verehrt, gilt der Shinto-Schrein in Peking und Seoul als Symbol des japanischen Militarismus. Als Abe den Yasukuni 2012 zuletzt besuchte, rügte ihn US-Präsident Obama. Wie sein Vater wird auch der neue Kaiser sich weigern, den Yasukuni zu besuchen. Wie jüngst bekannt wurde, hatte der Chefpriester des Schrein, Akihito im Herbst zum 150. Jahrestag eingeladen. Das Hofamt habe die Einladung zurückgewiesen, so japanische Medien, ohne dass die Sitzung der Kämmerlinge sie besprochen hätte.

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