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Japan:Wechsel auf dem Thron

Japans heutiger Kaiser Akihito (rechts) hat die Monarchie modernisiert. Wenn der 85-Jährige an diesem Dienstag abdankt, übergibt er den Thron an seinen Sohn Naruhito.

(Foto: AFP)
  • Zum ersten Mal seit 212 Jahren verabschiedet sich ein japanischer Kaiser in den Ruhestand.
  • Wenn der japanische Kaiser Akihito am Dienstag feierlich abdankt, wird am Mittwoch sein Sohn Naruhito als 126. Kaiser den Chrysanthementhron besteigen.
  • Die heutige Rolle des Kaisers, die Akihito mit Wärme, Volksnähe und einem stillen Pazifismus interpretiert hat, ist die Kreation eines US-Generals.

Wenn der japanische Kaiser Akihito am Dienstag feierlich abdankt, geht zum ersten Mal seit 212 Jahren ein Tenno in Ruhestand. Und der erste Tenno, der es verstanden hat, die Vorgabe der Nachkriegsverfassung, er sei das "Symbol des Staates und der Einheit des Volkes" mit Inhalten zu füllen. Am Mittwoch wird sein Sohn Naruhito als 126. Kaiser den Chrysanthementhron besteigen.

Die heutige Rolle des Kaisers, die Akihito mit Wärme, Volksnähe und einem stillen Pazifismus interpretiert hat, ist die Kreation eines US-Generals. Als Oberbefehlshaber der Besatzungstruppen setzte Douglas MacArthur durch, dass Kaiser Hirohito, Akihitos Vater, als Staatsoberhaupt und Kommandant der Armee verantwortlich für Nippons Aggressionskriege und -Gräuel, nach der Kapitulation nicht vors Tokioter Tribunal gestellt wurde, sondern auf dem Thron bleiben durfte. MacArthur diktierte jener Gruppe Amerikaner, die im Januar 1946 Japans neue Verfassung entwarfen, ins Notizbuch: "Der Kaiser ist das Oberhaupt des Staates. Seine Nachfolge ist dynastisch." So steht es seither in der Verfassung, die dem Kaiser jedoch keinerlei politische Aufgaben überlässt.

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MacArthur stand unter dem Druck der Alliierten, dem Tenno den Prozess zu machen. Der Australier Sir William Webb, Präsident des Tokioter Tribunals, das sieben Japaner wegen Kriegsverbrechen zum Tode und 16 zu lebenslanger Haft verurteilte, hielt Hirohito für den "Anführer der Verbrechen". Seine Apologeten halten dem entgegen, Hirohito, der Vater des jetzt abdankenden Kaisers, sei nur formal Staatsoberhaupt gewesen. MacArthur hielt seine schützende Hand über ihn, er sagte, die Japaner ließen sich leichter führen, wenn sie ihren Kaiser behalten dürften. Der General selber wusste zwar wenig über Japans Kultur. Sein Brigadegeneral Bonner Fellers aber hatte ihm geraten: Den Kaiser zu hängen, käme der Kreuzigung Christi gleich.

Im 12. Jahrhundert reduzierte der Adel den Kaiser zum bloßen Hohepriester

Das mochte für einige Politiker stimmen, die sich aus der faschistischen in die Nachkriegsregierung gerettet hatten. Andere Japaner waren des Kaisers müde. Der Mehrheit sei der Monarch schlicht egal gewesen, sagt der Historiker John Dower. Einer US-Umfrage von 1946 zufolge dachten damals nur 4 Prozent an das Schicksal des Kaisers.

Sie hungerten, es herrschten Mangel und Rechtlosigkeit. Von der salomonischen Lösung der USA - der Kaiser bleibt frei, muss aber seinen gottgleichen Status und seine politische Macht abgeben - ließen sie sich kaum beeindrucken. Eher hätten die Menschen nicht verstanden, so Dower, wie der allmächtige Gottkaiser, für den 3,1 Millionen Japaner starben, plötzlich keine Verantwortung für den Krieg gehabt haben sollte. Und Mensch geworden sei.

Dower schreibt in seinem Buch "Embracing Defeat", nicht das japanische Volk, sondern MacArthur und Fellers seien Royalisten gewesen. Sicherlich gefiel sich MacArthur in der Rolle des "blauäugigen Shogun", wie die Japaner ihn nannten. Die Shogune waren erbliche Militärdiktatoren, die Japan im Namen des Kaisers acht Jahrhunderte lang regiert hatten.