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Japan: Atomanlage Fukushima-Daiichi:Meerwasser radioaktiv verseucht

Unterdessen haben neue Messungen eine starke radioaktive Belastung des Meerwassers in der Nähe des Atomkraftwerks ergeben. Die Messungen fanden 100 Meter von der Küste entfernt statt.

Bei Jod-131 sei ein Wert gemessen worden, der das gesetzliche Maximum um den Faktor 126,7 übersteige, berichtete der Fernsehsender NHK am Dienstag unter Berufung auf Tepco.

Bei Cäsium-134 sei die Verstrahlung 24,8 Mal so hoch wie zulässig. Tepco kündigte weitere Tests vor der Nordostküste der japanischen Hauptinsel Honshu an.

Plan B: Weiter wie bisher

Japans Regierung äußert sich inzwischen wieder skeptischer über die Lage in Fukushima-1. Es sei schwer zu sagen, ob sich das Ganze in eine sichere Richtung entwickle, sagte der Handelsminister laut einer Meldung der Nachrichtenagentur Kyodo.

Ein Vertreter der Atomsicherheitsbehörde gab sich optimistischer: Sollten die Kühlsysteme einmal repariert sein und wieder funktionieren, könne die Lage in Reaktorkernen und Abklingbecken innerhalb eines Tages normalisiert werden. Falls nicht, müsste die Anlage weiterhin mit Meerwasser gekühlt werden - sobald dies wieder möglich ist.

Japans Armee soll nun täglich über Fukushima-1 fliegen, um in der Anlage die Temperatur zu messen. Das sagte Verteidigungsminister Toshimi Kitazawa nach Angaben des Fernsehsenders NHK. Bisher hätten die Messflüge zweimal in der Woche stattgefunden.

Verteidigungsminister Toshimi Kitazawa liegt außerdem ein Hilfsangebot des amerikanischen Militärs vor, ein Team von Atomexperten ins havarierte Kraftwerk Fukushima-1 zu schicken. Kitazawa wolle in den nächsten zwei Tagen entscheiden, ob er dieses Angebot annehme, berichtet Kyodo.

Die Flutwelle, die die beiden Atomkraftwerke in der Präfektur Fukushima - Fukushima-1 (-Daiichi) und Fukushima-2 (-Daini) getroffen hatte, soll 14 Meter hoch gewesen sein, heißt es bei Tepco. Das sei mehr als doppelt so hoch, wie Experten bei der Planung der Anlagen erwartet hatten, berichtete der Fernsehsender NHK. Das Unternehmen hatte am Montag die Wände der beschädigten Kraftwerke untersucht.

Inzwischen haben die Behörden die Zahl der Toten in den von Erdbeben und Tsunami verwüsteten Gebieten nach oben korrigiert: Bis Dienstag wurden mehr als 9000 Leichen geborgen. Das teilte die japanische Polizei mit. Es wird befürchtet, dass sich diese Zahl noch bis zum Abschluss der Bergungsarbeiten verdoppeln wird.

© sueddeutsche.de/AFP/Reuters/dpa/joku
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