ParteienEin Mann auf schwerer Mission

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Jan van Aken ist Biologe, arbeitete für Greenpeace und die UN. Jetzt will er die Linke retten.
Jan van Aken ist Biologe, arbeitete für Greenpeace und die UN. Jetzt will er die Linke retten. Axel Heimken/dpa

Jan van Aken kandidiert als Vorsitzender der Linken. Die haben zuletzt viel verloren, doch er hält sie für wiederbelebbar.

Von Angelika Slavik

Im politischen Betrieb gibt es begehrte und weniger begehrte Jobs – und dann gibt es noch solche, die mancher seinem ärgsten Feind nicht wünschen würde. Parteichef der Linken zum Beispiel, das ist in der aktuellen Lage ein Job, den man sich erst mal antun muss. Jan van Aken aber will das machen – und weil die Zahl der Bewerber bislang spärlich ist, spricht einiges dafür, dass er beim Parteitag im Oktober in Halle auch wirklich an die Spitze seiner Partei gewählt wird. Er sei sich sicher, dass die Linke „wiederbelebbar“ sei, sagt van Aken. „Sonst würde ich das nicht machen.“

Jan van Aken, 63 Jahre alt, geboren in Reinbek bei Hamburg, hat sich in seinem beruflichen Leben auch bislang nicht gelangweilt: Nach dem Abitur studierte er Biologie und engagierte sich bei den Protesten gegen das atomare Endlager in Gorleben. Er promovierte und arbeitete im Anschluss für Greenpeace – sein Schwerpunkt war Gentechnik in der Landwirtschaft. Später war er Mitgründer der NGO „Sunshine Project“, die sich gegen biologische Waffen engagierte, und wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Uni Hamburg. Von 2004 bis 2006 arbeitete van Aken als Inspekteur für Biowaffen für die UN – danach trat er bei der Linken ein. Für die Partei saß er von 2009 bis 2017 im Deutschen Bundestag.

Und jetzt? Die Linke ist in existenzieller Not. Jahrelange interne Streitigkeiten haben die Partei zermürbt und die Wähler vertrieben: Schon bei der jüngsten Bundestagswahl verpasste die Linke die Fünf-Prozent-Hürde und zog nur dank dreier Direktmandate wieder in den Bundestag ein. Bei den Europawahlen im Frühjahr erreichte die Linke schließlich nur noch 2,7 Prozent der Stimmen. Es sieht aus, als wäre der Absturz in die absolute politische Bedeutungslosigkeit nicht mehr aufzuhalten. Aber Jan van Aken glaubt, dass er die Sache noch drehen kann.

Pazifismus? Ja, aber nur einer mit Verantwortung

Er sehe sich keineswegs als „Totengräber“ für die Partei, im Gegenteil. Sieben bis acht Prozent seien bei der nächsten Bundestagswahl für die Linke auf jeden Fall drin, sagt er. Wie das gehen soll, hat er zumindest schon grob umrissen: Van Aken will, dass sich die Partei inhaltlich stärker fokussiert, nennt Soziales und Gesundheit als zentrale Themen. „Von Greenpeace habe ich gelernt: Man kann nur gewinnen, wenn man alles auf einen Punkt konzentriert“, sagte van Aken kürzlich der Deutschen Presse-Agentur. „Wir müssen sehen, was die Menschen am meisten bewegt – das sind die sozialen Themen, gerade für Menschen, die am Ende des Monats kaum noch über die Runden kommen.“ Einen Mietendeckel durchzusetzen nennt er als konkretes Ziel.

Bei einer anderen Frage, mit der seine Partei zuletzt gerungen hat, positioniert sich van Aken klar: „Mein Pazifismus ist friedlich, aber nicht hilflos“, sagt er mit Bezug auf den Krieg in der Ukraine. Er fände es wichtig, klar zu sagen, „dass Wladimir Putin ein Aggressor und Verbrecher ist, der zur Verantwortung gezogen werden muss“. Die Frage, ob es eine diplomatische Lösung für den Konflikt geben könne, sei komplex. Es genüge jedenfalls nicht, „einfach nur Frieden zu rufen und sich dann wegzuducken und zu gucken, wo die Ukraine bleibt“, so van Aken. „Das ist keine Haltung, sondern verantwortungslos.“

Ob er so die Partei von sich überzeugen kann? Die Linke wird traditionell von einer Doppelspitze geführt. Seit das bisherige Spitzenduo aus Martin Schirdewan und Janine Wissler seinen Rückzug angekündigt hat, hat neben van Aken nur die Publizistin Ines Schwerdtner, 35, offiziell Interesse am Parteivorsitz angemeldet. Beide kandidieren unabhängig voneinander, lassen aber wissen, dass sie gut miteinander arbeiten könnten.

Möglich also, dass van Aken und Schwerdtner ohne ernsthafte Konkurrenz beim Parteitag antreten und gewählt werden. Schon das wäre in der streitverliebten Linken bemerkenswert – die Mission, die Partei politisch vor dem Untergang zu bewahren, wird deutlich anstrengender.

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