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Jahresbericht zum Stand der Deutschen Einheit:Ostdeutschland muss weiterhin finanziell unterstützt werden

Auffällig ist, dass es in den neuen Ländern noch immer mehr Paare mit Kindern gibt, bei denen beide Eltern mehr als 32 Wochenstunden arbeiten. Im Osten sind dies 34 Prozent, im Westen nur zwölf Prozent. Familien, in denen nur der Mann Geld verdient, sind im Osten seltener (22 Prozent) als im Westen (32 Prozent). Im Osten gehen mit 70 Prozent etwas mehr Mütter einer Erwerbstätigkeit nach als im Westen (66 Prozent), aber sie arbeiten darin im Schnitt deutlich länger: durchschnittlich 33 Wochenstunden sind es im Osten, 25 Wochenstunden im Westen.

Allein erziehende Frauen gehen im Osten etwas seltener einer Erwerbstätigkeit nach als im Westen (31 Prozent gegenüber 35 Prozent), allerdings arbeiten von den erwerbstätigen Alleinerziehenden dann mehr als die Hälfte vollzeitnah oder in Vollzeit. Im Westen sind arbeitende alleinerziehende Frauen mehrheitlich weniger als 32 Stunden mit dem Job beschäftigt.

Arbeitslosenquote seit 2005 mehr als halbiert

Die durchschnittliche Arbeitslosenquote ist in Ostdeutschland 2016 auf 8,5 Prozent gesunken - damit hat sie sich seit 2005 mehr als halbiert. Im Westen ist sie mit 5,6 Prozent noch immer niedriger. Aber der Abstand schrumpft weiter. Wie Gleicke berichtet, betrug der Unterschied zwischen West und Ost im Juni 2017 sogar nur noch 2,2 Prozentpunkte.

Allerdings gibt es deutliche regionale Unterschiede. So lag die Arbeitslosenquote 2016 in Mecklenburg-Vorpommern bei 9,7 Prozent, in Bayern dagegen bei 3,5 Prozent. Aber auch im Westen gibt es Regionen mit großen Problemen. Bremen etwa weist eine Quote von 10,5 Prozent auf. Die Zahl der Langzeitarbeitslosen lag 2016 wieder unter eine Million. Im Osten war sie auf 267 000 gesunken.

Ein besonderes Problem im Osten ist und bleibt auch in den kommenden Jahren der Rückgang und die Alterung der Bevölkerung. Von 1990 bis 2015 ist die Bevölkerung in den ostdeutschen Flächenländern um etwa 15 Prozent auf 12,6 Millionen geschrumpft. Ein leichtes Wachstum von 2014 auf 2015 um etwa ein Prozent rührt von der Zuwanderung aus dem Ausland. Eine Trendwende durch Zuwanderung erwartet die Beauftragte für die neuen Länder aber nicht. Der demografische Wandel ist im Osten deutlich stärker zu spüren als im Westen: Der Anteil an älteren Menschen wird hier deutlich schneller zunehmen, während die Zahl der Personen im Erwerbsalter im Osten stärker schrumpfen wird.

Für Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Haseloff ist damit klar, dass Ostdeutschland weiterhin finanziell unterstützt werden muss. "Deutschland insgesamt und die EU stehen in der Verantwortung die Entwicklungschancen des Ostens weiter zu fördern und den Aufholprozess gegenüber dem Westen zu beschleunigen", sagte er der dpa.

© SZ.de/fued/stein

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