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Ja der SPD-Basis zum Koalitionsvertrag:Die eigentliche Probe steht Gabriel noch bevor

SPD-Mitgliedervotum

Sigmar Gabriel tritt nach der Stimmenauszählung zum SPD-Mitgliedervotum ans Rednerpult.

(Foto: Hannibal Hanschke/dpa)

Also doch. Die SPD stimmt für den Koalitionsvertrag, Schwarz-Rot kommt. Eine vernünftige Entscheidung, auch mangels Alternativen. SPD-Chef Sigmar Gabriel ist der Sieger, er hat alles richtig gemacht. Nun muss er einen Fehler vermeiden.

Deutschland bekommt eine große Koalition. Angela Merkel wird kommende Woche von Union und SPD erneut zur Kanzlerin gewählt, weil es sich die Sozialdemokraten am Ende doch anders überlegt haben. In den Tagen nach der für die SPD so deprimierenden Bundestagswahl wäre die Abstimmung über eine Regierungsbeteiligung unter Merkel ganz anders ausgefallen. Schon der Gedanke, sich noch einmal - und unter zahlenmäßig schlechteren Voraussetzungen als 2005 - in das Joch der ungeliebten Kanzlerin zu begeben, war damals verpönt.

Knapp drei Monate später haben sich die Mitglieder der Partei nun in einer eindrucksvollen basisdemokratischen Entscheidung doch dafür entschieden. Vielleicht nicht mit Begeisterung, aber letztlich eindeutig. So eindeutig, dass am Samstag auch Genossen auf die Seite der Sieger drängten, die anfangs lautstark dagegen waren - wie der Berliner Landeschef Jan Stöß.

Es ist eine vernünftige Entscheidung, weil die Alternativen für die SPD schlechter gewesen wären: Rot-Rot-Grün entgegen der eindeutigen Absage im Wahlkampf doch zu versuchen, wäre glatter Betrug gewesen. Und gehalten hätte diese Koalition, wenn sie überhaupt zustande gekommen wäre, auch nicht lange. Zum einen, weil die Linke noch nicht regierungsfähig ist, zum anderen, weil es die SPD zerrissen hätte. Und die Grünen auch. Neuwahlen hätten den Sozialdemokraten keine Aussicht auf bessere Zeiten gewährt, eher im Gegenteil.

Große Koalition

So tickt die Merkel-Ministerriege

Der größte Irrtum aber war stets der Gedanke einer Minderheitsregierung von Angela Merkel, weil nicht die Opposition die Kanzlerin hätte vorführen können, sondern genau umgekehrt.

Der große Sieger dieses Entscheids heißt Sigmar Gabriel. Er hat vor einem Jahr Peer Steinbrück zum Kanzlerkandidaten gemacht, der dann die meiste Schuld für das schlechte Abschneiden der SPD auf sich lud. Aber weil Steinbrück Gabriels Wunschkandidat war, trägt auch der Parteichef Verantwortung.

Nach der Wahlschlappe machte Gabriel alles anders als damals beim hektischen Geklüngel in der Troika: Er blieb geduldig, er konsultierte die Parteiführung und später die Basis. Und er verhandelte federführend einen Koalitionsvertrag mit der Union, der zwar weder für das Land, noch für die SPD so gut geworden ist, wie Gabriel behauptet. Aber doch gut genug, um mit der SPD in die Regierungsverantwortung zu gehen. Gabriel, das ewige Talent der SPD, hat diesmal gezeigt, was in ihm steckt.

So klar, wie er in den Regionalkonferenzen der SPD aufgetreten ist, so entschlossen muss er seine Partei nun als Vizekanzler in der großen Koalition führen. Die Koalitionsverhandlungen und das Mitgliedervotum waren ein Kraftakt für die SPD, der letztlich zu mehr Arbeit führen könnte.

Ein großer Fehler, den Gabriel nun unbedingt vermeiden muss, wäre die sofortige Suche nach dem richtigen Zeitpunkt zur Beendigung der großen Koalition. Erstens merken das die Menschen sofort und schätzen es nicht. Zweitens haben weder Gerhard Schröder, noch Angela Merkel das Kanzleramt nur aus eigener Kraft erobert, sondern vor allem von der Schwäche des jeweiligen Vorgängers profitiert. Gegen diese entscheidende Geduldsprobe, die nun Gabriel und der SPD bevorsteht, war bisher alles nichts.

SPD-Chef Gabriel

Von "Siggi Pop" zum Retter der Partei