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IWF:Ein dramatischer Weckruf

Alle sehnen sich nach guten Nachrichten - doch der Internationale Währungsfonds zeichnet nun ein düsteres Bild der Weltwirtschaft. Zu Recht. Die Staaten müssen lernen: Nur gemeinsam lässt sich die Corona-Krise bewältigen.

Von Cerstin Gammelin

Internationale Institutionen sind auch dazu da, bittere Wahrheiten auszusprechen. Solche, die nationale Politiker scheuen, weil sie sich sorgen, dass, um einen früheren Innenminister zu bemühen, ein Teil der Wahrheit die Bevölkerung verunsichern könnte. Insofern hat der Internationale Währungsfonds sich verdient gemacht, als er mehrere unangenehme Wahrheiten in seinen Weltwirtschaftsbericht gepackt hat. Es wird düster werden wegen Corona. Wie düster, ist unklar. Und wie lange, ebenfalls.

Auch wenn man sich gerade nach guten Nachrichten sehnt, war es richtig, dass der Fonds die schlimmen Zahlen in seinen Bericht geschrieben hat. Die Europäer wird es hart treffen, weil die Konjunktur trotz aller Nothilfen um mindestens sieben Prozent schrumpfen wird. Weil jeder Zehnte arbeitslos sein wird. Deutschland kommt in diesen Szenarien noch gut weg, aber man sollte sich nichts vormachen, die Lage in den Nachbarländern wird auch hierzulande zu spüren sein.

Und noch etwas ist wichtig: Die düsteren Voraussagen basieren auf der optimistischen Annahme, dass es im Sommer die Trendwende gibt. Breitet sich das Virus weiter ungebremst aus, wird es noch dramatischer. Der Bericht aus Washington ist ein lauter Weckruf an die Weltgemeinde. Um Corona zu besiegen, müssen sich alle anstrengen.

© SZ vom 15.04.2020
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