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Italiens Wahlkampf-Fotomodell:Rette sich wer kann, Berlusconi ist auf Instagram

Berlusconi's press conference in Naples

Berlusconi ist kein Kandidat bei den Regionalwahlen - doch der ehemalige italienische Ministerpräsident mischt im Wahlkampf kräftig mit.

(Foto: Cesare Abbate/dpa)

Silvio Berlusconi postet auf Instagram Bilder von Hunden, Wahlkampf-Auftritten und seiner 29-jährigen Freundin. Doch was steckt wirklich hinter den Fotos?

Kurz vor den Regionalwahlen am 31. Mai startet Silvio Berlusconi eine Charmeoffensive auf Instagram. 25 000 Follower hat der Ex-Ministerpräsident inzwischen gesammelt. Doch wie sieht die Geschichte hinter den Bildern aus? Lesen Sie unter den Fotos, was wirklich geschah (Achtung, Humor-Kennzeichnung: dies ist Satire).

19. Mai, 10 Uhr: Silvio Berlusconi besucht die Online-Wahlkampfzentrale seiner Partei Forza Italia in Mailand. Schonend macht Assistent Riccardo di Matteo den 78-Jährigen mit dem Internet vertraut, von dem der Milliardär bislang nur die Homepage seiner eigenen Zeitung Il Giornale kannte. "Mir gehört das Internet also gar nicht?", fragt der Medienzar erstaunt. Die Verwunderung schlägt kurz darauf in Skepsis um, als di Matteo vergeblich den Auslöse-Knopf am Selfie-Automaten sucht (Foto). Das Gerät war eigens von einer Elektronikfirma in Kalabrien hergestellt worden. "Wir müssen etwas tun!", entscheidet Berlusconi. Sein Team meldet ihn daraufhin auf Instagram an, einem Foto-Netzwerk, dessen Filter einst selbst Jopi Heesters 80 Jahre jünger machten.

19. Mai, 16 Uhr: Erste Aufnahmen für den Instagram-Feed: Spontan winken der Berlusconi und seine Wahlkampfhelfer in die Kamera, ebenso spontan erleidet der 78-Jährige dabei einen Hexenschuss.

19. Mai, 18 Uhr: Den Wahlkampf-Auftritt am Abend kann Berlusconi nur gestützt von seinem Parteifreund Alberto Negrini (rechts) absolvieren.

19. Mai, 20 Uhr: Noch am selben Abend stellt Silvio Berlusconi seinem bisherigen Chiropraktiker Antonio Dinelli die Entlassungsurkunde aus und teilt das Foto bei Instagram. 184 Likes.

19. Mai, 20:30 Uhr: Berlusconis Instagram-Fotograf ist begeistert vom neuen Projekt. "Silvio, zeig Deiner Tochter und dem Internet dein sympathischstes Lächeln!" ruft er dem Politiker zu, als dieser mit seiner 29-jährigen Lebensgefährtin Francesca Pascale (sic.!) zu Abend isst. Berlusconi setzt sein sympathischstes Lächeln auf und feuert den Fotografen danach.

19. Mai, etwa Mitternacht: Zurück in Rom ist Berlusconis Tag noch nicht beendet, sein Team erwartet den Cavaliere mit einer Überraschung: Es hat den Hund von Ministerpräsident Matteo Renzi entführt. "20 Prozent der Stimmen oder du wirst deinen kleinen Schäferhund nie mehr wiedersehen", verkündet Tier-Kenner Berlusconi über die sozialen Medien.

20. Mai, Sonnenaufgang: Das Wahlkampf-Team hat Berlusconi schon am frühen Morgen aus seiner Sauerstoff-Gruft geholt, in der sich der Politiker nachts konserviert. Die engagiertesten Jungfunktionäre der Forza Italia haben das Gymnasium geschwänzt, um mit ihrem Parteichef ein Familienfoto aus der US-Mafiaserie "Die Sopranos" nachzustellen. Noch bevor Assistent Ricardo einwenden kann, dass Mafia-Fotos womöglich keine gute Idee sind, ist das Bild gepostet und schnellt auf fast 600 Likes.

21. Mai, 17 Uhr: Der Cavaliere ist alles andere als begeistert: Trotz der Social-Media-Offensive mit fast 20.000 Followern auf Instagram verharrt Forza Italia in den Umfragen bei unter zwölf Prozent. Und auch Renzi hat anders als erwartet reagiert: Der Ministerpräsident hat die Adoptionsurkunde für seinen entführten Hund geschickt. "Bevor ich diesen Köter adoptiere, gehe ich wirklich in den Knast", murmelt Berlusconi grimmig.

22. Mai, 12 Uhr: Kurz vor dem Wochenende hat Berlusconi spontan eine Pressekonferenz einberufen, um Änderungen am Wahlprogramm zu verkünden. Das Internet in Italien soll auf die wichtigsten Dienste beschränkt werden: Social-Media-Plattformen und die Seiten von Berlusconis Medien-Imperium Mediaset. Zudem stellt er Ideen für eine neue Wahlreform vor: Wahlergebnisse sollen sich künftig nach der Zahl der "Gefällt mir"-Angaben richten. Warum schon wieder eine Wahlreform, fragen Reporter. "So ermöglichen wir es allen, am demokratischen Prozess teilzuhaben", erwidert Berlusconi spitzbübisch, "Vor allem Gaunern... äh Staatsmännern wie mir."

23. Mai, 22 Uhr: Samstagabend erholt sich Silvio Berlusconi von der anstrengenden Woche im überaus komplizierten Internet. Er guckt den Eurovision Song Contest und trinkt ein Gläschen Wein. Der Alt-Politiker wirkt nachdenklich - seine politische Zukunft ist ungewiss und Renzis Hund hat heute schon drei Mal einen dicken Haufen auf den Teppich gesetzt.

24. Mai, 19 Uhr: Inzwischen ist Berlusconis Social-Media-Aktivität Gesprächsthema Nummer Eins im Land. "Signore, ein Instagram-Foto", ruft ein Zuschauer während einer Fernseh-Talkshow. Als sich der Cavaliere umdreht, fährt ihm ein weiterer Hexenschuss ein. Wenig später wird Berlusconi auf einer Krankenliege aus dem Studio gerollt.

26. Mai: Es sind nur noch wenige Tage bis zur Wahl, doch Berlusconi liegt immer noch mit seinem Hexenschuss flach. Assistent Riccardo di Matteo und sein Team sind längst zu Plan B übergegangen: Statt Berlusconi posiert nun eine Berlusconi-Wachspuppe für die Instagram-Fotos. Die Follower-Zahlen wachsen rasant, die Umfragewerte nicht.

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