Italiens Rechte Berlusconis Auferstehung

Im Griff der Macht? Der ehemalige italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi spielt in der Talkshow "Porta a Porta" mit einem Hund.

(Foto: REUTERS)
  • Nach dem Erfolg der Forza Italia bei den Kommunalwahlen in Italien ist Silvio Berlusconi in den italienischen Medien plötzlich wieder allgegenwärtig.
  • Er hofft auf einen Erfolg bei den italienischen Parlamentswahlen 2018.
  • Zuvor müsste der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte aber erst den Kandidatur-Bann verwerfen, den die italienische Justiz Berlusconi auferlegt hat.
Von Stefan Ulrich

"Ihr naht euch wieder, schwankende Gestalten. . ." Die ersten Zeilen aus Goethes Faust drängen herauf, wenn man den jüngsten italienischen Wahlkampf betrachtet. Während der Kampagne wurde ein gewisser Romano Prodi zum Star der Linken, ein Mann, der vor 21 Jahren erstmals Ministerpräsident war - und seit langer Zeit in der nationalen Politik keine Rolle mehr spielte.

Noch erstaunlicher ist die Wiederkehr eines anderen Protagonisten aus alten Zeiten, den sie einst den "Cavaliere" und den "Kaiman" nannten: Silvio Berlusconi. Der Schöpfer und immerwährende Präsident der Partei Forza Italia wird vom Corriere della Sera mit den Worten zitiert: "Ich bin wieder da - und das merkt man."

Die Karriere von Silvio Berlusconi

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Der 80 Jahre alte Berlusconi sagte nach dem Sieg der rechten Parteien bei den Kommunalwahlen am Sonntag, er schreibe bereits am Programm der Rechten für die spätestens im Mai anstehende Parlamentswahl. Er werde sich in den Wahlkampf stürzen und traue sich zu, Forza Italia - die in nationalen Umfragen bei zwölf Prozent dümpelt - auf 30 Prozent der Simmen zu bringen, wie früher. "Ich will eine Regierung unter der Führung Berlusconis."

Jetzt reibt sich halb Italien verwundert die Augen. Denn eigentlich glaubten selbst viele seiner Anhänger nicht mehr daran, dass der Mailänder Medienunternehmer und Multimilliardär, der 1994 in die Politik ging, noch einmal zurückkehren könnte. Dabei hat Berlusconi oft bewiesen, dass er nach jeder Niederlage wiederkommt: Er wurde als Premier mal von seinem Koalitionspartner gestürzt, mal vom Wähler - zugunsten Prodis - abberufen.

"Rieccolo" - "Da ist er wieder"

Seine Partei spaltete sich, Regierungschefs anderer EU-Staaten spotteten über ihn. Die Justiz machte ihm unzählige Strafprozesse, sein Unternehmen geriet in Schieflage, und seine frühere Frau Veronica Lario verglich ihn mit einem Drachen, dem sich Jungfrauen darböten, um berühmt zu werden. Die sogenannten Bunga-Bunga-Partys in seiner Villa in Arcore ließen ihn weltweit zum Gespött werden. Doch Berlusconi machte einfach weiter und räumte vermeintliche Kronprinzen konsequent aus dem Feld.

2013 wähnten Freund und Feind ihn definitiv am Ende. Nachdem er bereits 2011 wegen der prekären Finanzlage seines Landes als Regierungschef hatte zurücktreten müssen, verurteilte ihn ein Gericht in letzter Instanz wegen Steuerhinterziehung zu vier Jahren Gefängnis.

Davon musste Berlusconi zwar nur ein Jahr im Sozialdienst als Altenpfleger verbüßen, die Justiz verbot ihm aber zugleich, wieder bei Wahlen anzutreten. Der Senat in Rom nahm ihm sein Mandat ab, seine Partei versank in Machtkämpfen, der Gründer selbst hatte mit schweren Gesundheitsproblemen zu kämpfen.

Der Mann, auf den sich die italienische Politik fast zwei Jahrzehnte lang fokussiert hatte, verschwand mehr und mehr aus der Öffentlichkeit, auch wenn er sich hin und wieder als Juniorpartner des zeitweiligen Premiers Matteo Renzi ins Gespräch zu bringen suchte.

Vor einigen Wochen zeigte dann plötzlich das Politmagazin Espresso auf seiner Titelseite Silvio Berlusconi. Mit vollen Backen und dunklem Haar sah er jünger aus als bei seinem Politikeintritt vor 23 Jahren. "Rieccolo" prangte in großen Lettern darunter: "Da ist er wieder."

Er hat nun die Rolle des weisen Vaters und Garanten der Stabilität übernommen

Und tatsächlich. Vor allem in den letzten Tagen des Kommunalwahlkampfs war Berlusconi wieder omnipräsent. Je klarer sich ein Sieg der Rechten abzeichnete, umso häufiger war er in seinem Lieblingsmedium zu sehen, dem Fernsehen. Er selbst rühmte sich, er habe allein den Lokalsendern 46 Interviews gegeben. Dazu kamen Auftritte im nationalen TV, etwa vergangene Woche in der politischen Kultsendung "Porta a Porta".

Dort herzte ein aufgekratzter Berlusconi einen sichtlich verstörten plüschweißen Pudel. Die linke Zeitung Il Fatto Quotidiano meinte dazu, so wie das fassungslose Tier hätten sich früher Millionen Italiener unter der Herrschaft Berlusconis gefühlt. Auch sonst weckte der wiedergeborene Anführer der italienischen Rechten Erinnerungen an früher. Auf den US-Präsidenten angesprochen sagte er: "An Trump gefällt mir (dessen Ehefrau) Melania sehr." Der Cavaliere, ganz der Alte.

Um bei der kommenden Parlamentswahl antreten zu können, müsste der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg rechtzeitig den Bann der italienischen Justiz verwerfen. Doch selbst wenn das nicht geschieht, will Berlusconi wieder mitspielen in der Politik - sei es als inoffizieller Anführer einer Rechtskoalition, sei es als Koalitionspartner der Sozialdemokraten von Matteo Renzi.

Eine neue Wahlkampfrolle hat Berlusconi auch schon für sich gefunden, die des weisen Vaters des Vaterlandes und Garanten der Stabilität. Daher spricht er gerade ziemlich gut über Europa und schlecht über die fundamentaloppositionelle Fünf-Sterne-Bewegung.

So wie er Italien einst vor den Kommunisten gerettet habe, müsse er es nun vor den Sternenbewegten des Beppe Grillo bewahren. "Falls die an die Regierung kommen, werde ich auf eine einsame Insel umziehen", kündigte Berlusconi an. Doch selbst wenn: Er wird wiederkommen.

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