Italiener nach der Wahl:"Die Italiener haben für die Demokratie gestimmt"

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An einer Verfassungsreform hat die 37-jährige Giovanna prinzipiell nichts auszusetzen. Im Gegenteil: Sie sei sogar nötig, sagt die Marketing-Angestellte aus Cagliari. Trotzdem hat sie bei der Wahl mit Nein gestimmt.

"Ich habe mit Nein gestimmt - gegen die Verfassungsreform und gegen Matteo Renzi. Und das, obwohl ich es für nötig halte, die Verfassung zu ändern. Aber die Reformvorschläge von Maria Elena Boschi (die italienische Ministerin für Verfassungsreformen, Anm. d. Red.) und Renzi waren zu schlampig formuliert und zu oberflächlich. Die Reform enthielt einige gute Überlegungen, war aber einfach nicht ausgereift und wurde zudem schlecht kommuniziert.

Ich habe mit vielen in meinem Bekanntenkreis gesprochen, darunter einige, die Renzi politisch nahestehen, aber zum ersten Mal waren sie unsicher, ob sie ihm weiterhin folgen sollten. Wenn es mehr als zwei Antwortmöglichkeiten gegeben hätte, wäre das Ergebnis vielleicht anders ausgefallen. Aber so wurden die Italiener vor die Wahl gestellt: "Ja" oder "Nein". Mit dem Referendum hat Renzi eine politische Kampagne geführt. Aber wir lassen uns nicht erpressen!

Die Verfassungsreform hätte die Macht von wenigen noch mehr konzentriert. Meine Heimat Sardinien zum Beispiel, als Insel eine ganz spezielle Region, hätte viel eigene Entscheidungskraft verloren. Wenn das Volk "Nein" zu Renzi sagt und zu seinem Reformvorschlag, dann kann man das auch so interpretieren, dass es "Ja" zur Demokratie sagt.

Nun glauben viele, dass Beppe Grillo (Vorsitzender der rechtspopulistischen Fünf-Sterne-Bewegung, Anm. d. Red.) und Matteo Salvini (Vorsitzender der separatistischen Lega Nord, Anm. d. Red.) die Oberhand gewinnen könnten. Aber ihnen fehlt das Format, die Regierung zu übernehmen. Es wird nun nicht auf die Parteien ankommen, sondern auf kompetente, integre Personen. Kein Wunder, dass die Italiener kein Vertrauen mehr in die Politik haben."

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