Italiener nach der Wahl "Wir lassen uns nicht erpressen"

In einem sind sich die Italiener einig: Um die Verfassungsreform ging es bei der Abstimmung nur wenigen. Vor allem ging es um den Sturz Matteo Renzis.

(Foto: dpa)

Das Nein zur Verfassungsreform bedeutet das politische Aus für Matteo Renzi. Was sagen Italiener am Tag nach der Wahl dazu?

Protokolle: Carolin Gasteiger

Lorenzo, 35, arbeitet in einem Speditionsunternehmen in Bologna und interessiert sich nicht besonders für Politik. Zur Wahl ist er trotzdem gegangen.

"Ich habe für die Verfassungsreform und damit für Matteo Renzi gestimmt. Zwar mag ich den Premier genauso wenig wie alle anderen italienischen Politiker. Die Verfassungsreform hatte zweifellos Fehler und hätte besser umgesetzt werden können. Aber sie war zumindest einmal ein Versuch, etwas zu verbessern. Renzis Änderungsvorschläge wären ein erster Schritt gewesen, die Anzahl der Politiker zu verringern und die absurd träge italienische Bürokratie zu beschleunigen. Deswegen ist Renzi nicht ganz so schlimm wie alle anderen Politiker.

Aber indem er sein politisches Schicksal an das Referendum geknüpft hat, beging Renzi einen entscheidenden Fehler. Irrtümlicherweise dachte er, das ganze Volk stehe hinter ihm - und dann verkündete er auch noch, im Falle eines Nein zurückzutreten! Wer ihn rauswerfen wollte, hat diese Gelegenheit doch mit Kusshand ergriffen. Die meisten wollten einfach nur die Regierung und Premier Renzi loswerden. Aber das war nicht der ursprüngliche Zweck des Referendums.

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Hinzu kommt noch ein anderer Punkt: Unsere Politiker arbeiten nicht für das Wohl des Landes, sondern nur zu ihrem persönlichen Vorteil. Sie würden dem Vorschlag eines ihrer politischen Gegner nie zustimmen, auch nicht, wenn dieser sinnvoll wäre. Auf diese Weise haben sich Italien und seine Politiker einmal mehr als unfähig und ignorant erwiesen. "