Es gab eine Zeit, und die ist noch gar nicht so lange her, da wölbte sich die Kuppel von San Pietro gewissermaßen über ganz Rom. Die Stadt lebte im Rhythmus der Festivitäten der katholischen Kirche, großer und kleiner, und sie verfolgte das Schicksal der Päpste, als wären sie ihre Royals. Der "Santo Padre", der Heilige Vater, der ja auch Bischof von Rom ist, war eine dauerpräsente, ständig spürbare Figur. Wenn er im Sommer ins kühlere Castelgandolfo übersiedelte, stand das in der Zeitung. Wenn er ins Ausland reiste, war es, als hätten die Römer sturmfrei. Johannes Paul II. war der letzte Papst, den man so erlebte. Der Pole mag erzkonservativ gewesen sein, doch er war ein Popstar, der Hunderttausende anzog, auch viele Junge, ein Mann mit Charisma bis in den Tod.
ItalienIm Namen des Rosenkranzes
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Obwohl ihr Image moralisch massiv angeschlagen ist, will die Kirche ein Gesetz verhindern, das homo- und transsexuelle Menschen in Italien besser schützen soll. Vielen gefällt das gar nicht. Doch es gibt bezeichnende Ausnahmen.
Von Oliver Meiler, Rom
