Italien und USA:Berlusconi profitierte von seiner Medienmacht

Leicht war es aber vor allem, weil Berlusconi neben Zeitungen und Magazinen auch drei von sechs nationalen TV-Sendern besaß, die seine Propaganda verbreiteten. Wie Presslufthämmer wirkten die in die Köpfe der Italiener. Eine solche Medienmacht besitzt Trump nicht. Er trat zwar früher in einem TV-Format auf, in dem er sich selbst spielte, doch das war nur eine Show. Berlusconi aber war die Show. Er war Medium, Regisseur, Botschaft und Botschafter zugleich. Mit seinen Sendern konnte er die Öffentlichkeit so gestalten, wie er wollte: auf kulturell tiefem Niveau. Der Sog zog alle Kanäle, auch öffentliche, mit runter.

Dreimal brachte es Berlusconi zum Ministerpräsidenten. Neun Jahre regierte er das Land, so lange wie bisher kein anderer römischer Premier seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Die Italiener wählten Berlusconi selbst dann noch, als er hinlänglich bewiesen hatte, dass ihn das Wohl der Nation nur leidlich kümmerte und dass er als "CEO der Italien AG", wie er sich gern sah, grandios versagt hatte. Trump hätte, würde er an die Macht gelangen, viel mehr davon als Berlusconi je hatte. Er hätte sogar die Entscheidungsmacht über den ominösen roten Knopf. "Über Italien mit Berlusconi", schreibt La Stampa, "konnte die Welt noch lachen". Über die USA mit Trump amüsiert sich niemand.

Trump über Berlusconi: "Er ist ein anständiger Mann"

Jüngst wurde Berlusconi gefragt, was er davon halte, dass man Trump "Amerikas Berlusconi" nenne. Jeder sei frei, die Vergleiche anzustellen, die ihm gefielen, sagte er: "Mir kommt Trump eher vor wie eine Kreuzung aus Matteo Salvini und Beppe Grillo." Eine Mischung also aus dem Chef der rechtsextremen Lega Nord und dem Komiker und Anführer der Protestpartei Movimento Cinque Stelle. Nett war das nicht gemeint. Von Trump hingegen ist überliefert, dass er den Italiener gut leiden kann: "Mir gefällt Berlusconi sehr," sagte er einmal, "er ist ein anständiger Mann." Wobei Anstand keine Tugend ist, die den beiden Herren besonders am Herzen liegt.

Den anschaulichsten Rat entbot Beppe Severgnini den Amerikanern in der New York Times: "Kauft ihm nichts ab", appellierte er an jene, die sich von Trump angezogen fühlten, "verhaltet euch, als würdet ihr vor einem geschwätzigen Autoverkäufer stehen. Stellt ihm einen Haufen Fragen und fordert konkrete Antworten. Öffnet den Kofferraum, kontrolliert die Bremsen. Und lasst euch auf keinen Fall eine Testfahrt aufschwatzen: Mr. Trump könnte die Türen verriegeln, losrasen und den Wagen gegen die nächste Mauer fahren." Plastisch geschildert, aus lebendiger Erfahrung.

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