Italien:"Die gehören uns"

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Die Nachfahren der italienischen Königsfamilie wollen Juwelen zurück - und stoßen eine peinliche Debatte an.

Von Oliver Meiler, Rom

Die Italiener und ihre verflossenen Royals - alle paar Jahre streiten sie sich. Und immer wird es dabei laut und grundsätzlich, wie kann es auch anders sein. Nun wollen die Nachfahren des Hauses Savoyen einen Schatz einklagen, von dem nicht klar ist, ob er ihnen zusteht. Und es ist ein stattlicher Schatz: fünfzehn Schmuckstücke im Schätzwert von etwa 300 Millionen Euro. Ohrringe, Halsketten, Broschen, eine Krone, besetzt mit einem Haufen Diamanten und Perlen. Die Brillantsteine allein: 6732. Die Königinnen der Savoyen waren damit behangen und geschmückt.

Seit mehr als 75 Jahren liegen die Stücke in einem schwarzen Lederetui in einem Safe der italienischen Zentralbank in Rom, elffach versiegelt. Nur einmal, 1976, wurde der Schatz kurz geöffnet. Eine Zeitung hatte behauptet, es sei etwas daraus gestohlen worden, die Aufregung war groß. War aber nicht so. Alles noch da, wie es der letzte König Italiens vor seiner Flucht ins Exil hinterlassen hatte. Umberto II. wird auch "Re di Maggio" genannt, weil er nur etwas mehr als einen Monat lang regiert hatte, vom 9. Mai bis zum 18. Juni 1946. Die Italiener hatten in jenem Sommer in einer Volksabstimmung ihre Monarchie abgeschafft und sich für die Republik entschieden.

Umberto II. schickte also einen seiner Minister mit den Juwelen und den nötigen Stempelpapieren für die ordentliche Übergabe zur Zentralbank, die nur zweihundert Meter entfernt vom Palast auf dem Quirinalshügel entfernt liegt. Der König legte einen Zettel dazu, über dessen Deutung nun wohl bald vor Gericht verhandelt werden wird. Darauf stand, seine Majestät anempfehle den Schmuck der "Aufbewahrung" der Banca d'Italia, damit er da dann einmal "den Berechtigten zur Verfügung" stünde.

Nun, die Savoyen finden, damit seien sie gemeint. "Das sind private Güter, Hochzeitsgeschenke und Spenden, die gehören uns", sagt Emanuele Filiberto, Enkel des letzten Königs und Entertainer in mannigfachen Rollen als Tänzer, Politiker und Betreiber eines Food Trucks mit dem bedeutenden Namen "Prince of Venice". Vor einigen Wochen hat sich die Familie mit ihrem Anwalt an die italienische Regierung gewandt, doch die wies das Ansinnen abrupt zurück. Der Schmuck, so die Interpretation des Staates, war dem Königshaus damals nur geliehen gewesen, damit sich dessen Vertreter standesgemäß der Welt präsentieren konnten, und zwar in ihrer Funktion als royale Staatsoberhäupter. Man wollte schließlich auch als Nation eine gute Figur machen.

Doch die Savoyen lassen nicht locker. Emanuele Filiberto beteuert in einem Interview im Corriere della Sera, notfalls werde man vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte gehen. Und so kommt in der Debatte um die Juwelen wieder die ganze Geschichte hoch, auch die dunkelsten Kapitel, als die Savoyen 1938 die Rassengesetze des Faschistenführers Benito Mussolini mitunterzeichneten und Italien später an der Seite der Nazis in den Krieg führten. Der Tenor: Was glauben die eigentlich, dass sie jetzt auch noch Kasse machen wollen? Ein Safe, elf Siegel und eine Mauer des Misstrauens - der Schatz bleibt wohl noch eine Weile vergraben.

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