Kommunalwahl in Italien:Die Römer wollen Virginia Raggi nicht mehr haben

Virginia Raggi

Virginia Raggi galt einst als Hoffnung der Cinque Stelle. Nun schafft sie es nicht in die Stichwahl ums Bürgermeisteramt in Rom.

(Foto: Andreas Solaro/AFP)

Die Hauptstadt beendet die Erfahrung mit der Bürgermeisterin von den Cinque Stelle. In Mailand, Neapel und Bologna gewinnt Mittelinks schon in der ersten Runde. Bei den Regionalwahlen in Kalabrien siegt dagegen die Rechte.

Von Oliver Meiler, Rom

Die Römer haben Virginia Raggi von den Cinque Stelle nach fünf Jahren abgewählt. Die 42-jährige Bürgermeisterin hatte trotz schlechter Umfragewerte an eine Wiederwahl geglaubt, scheiterte aber. Gemäss Hochrechnungen nach der ersten Runde der Kommunal- und Regionalwahlen in Italien war am Montagabend eine Weile nicht einmal klar, ob sie den Zentristen Carlo Calenda von der kleinen, sozialliberalen Partei Azione im Duell um den dritten Platz schlagen würde. Sie bezahlt für ihre dürftige Bilanz bei der Verwaltung der Stadt, vor allem die Müllfrage bleibt ungelöst.

In die Stichwahl, die in zwei Wochen stattfindet, schaffen es der Kandidat der Rechten, Anwalt Enrico Michetti, mit ungefähr 30 Prozent, und Roberto Gualtieri vom sozialdemokratischen Partito Democratico, früher italienischer Finanzminister, mit etwa 26 Prozent. Gualtieri gilt nun als Favorit.

Bereits entschieden sind die Wahlen in Mailand, wo der bisherige Bürgermeister Giuseppe Sala in der ersten Runde wiedergewählt wurde. Der ehemalige Manager versammelt alle progressiven Kräfte hinter sich. In Neapel hat der frühere Minister für Forschung und Universität, Gaetano Manfredi, der auf die Unterstützung der Sozialdemokraten und der Cinque Stelle zählen konnte, deutlich gewonnen. Die beiden Parteien sollten ursprünglich in vielen Wahlen eine Allianz bilden, scheiterten aber an der Bestimmung gemeinsamer Bewerber. Der Erfolg in Neapel könnte nun die Freunde der Koalition in ihrer Überzeugung stärken. In Bologna wird der linke Anwärter Matteo Lepore wohl auf Anhieb Bürgermeister.

Die extreme Linie Salvinis hat nicht verfangen

Ein knappes Rennen liefern sich in Turin der Kandidat von Mittelinks, der frühere Fußballschiedsrichter Stefano Lo Russo, und jener der vereinten Rechten, der Unternehmer Paolo Damilano. Letzterer versucht nun, sich als Liberaler der Wählerschaft anzudienen, obschon ihn unter anderem auch die rechtsextremen Parteien Lega und Fratelli d'Italia unterstützt hatten. Auch Turin war bei den Wahlen 2016 an die Fünf Sterne gegangen. Bürgermeisterin Chiara Appendino hatte aber auf eine neuerliche Kandidatur verzichtet. Die Partei fiel nun unter zehn Prozent der Stimmen, die allerdings für die Stichwahl entscheidend sein könnten.

In Kalabrien hat die Rechte die Regionalwahlen gewonnen. Ihr Kandidat Roberto Occhiuto, bisheriger Fraktionschef von Silvio Berlusconis Partei Forza Italia in der italienischen Abgeordnetenkammer, profitierte davon, dass sich die Linke in drei Lager gespaltet und drei Bewerber in die Wahlen geschickt hatte: Sie haben sich gegenseitig verhindert. Berlusconi dürfte den Erfolg als Zeichen dafür werten, dass die extreme Linie seiner Alliierten Matteo Salvini und Giorgia Meloni eher gefloppt ist bei diesen Wahlen.

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