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Italien:Opfer des Großmauls

Salvini macht weiter Politik auf dem Rücken der Migranten.

Aus Seenot gerettete Migranten als Geiseln zur Erpressung anderer EU-Länder zu missbrauchen, hat Italiens rechtspopulistischer Innenminister Matteo Salvini seit über einem Jahr zum menschenverachtenden Ritual gemacht. Nun hat er sich darin selbst übertroffen.

18 Tage waren es am Sonntag, seit dieMenschen auf dem spanischen Rettungsschiff Open Arms ausharren müssen. Längst hatten EU-Partner zugesagt, die Migranten aufzunehmen, doch das reichte Salvini nicht. Das Boot soll auf dem Wasser bleiben. "Unfassbar", nennt Spaniens Premier das. Geht es Salvini also nicht darum, die Geretteten loszuwerden - will er, dass die sich entnervt ins Wasser stürzen? Man kann all das mit der von ihm ausgelösten Regierungskrise in Italien verbinden. Da wollte er stärkster Mann sein, steht nun aber geschwächt da. Nicht zufällig wurde die Open Arms jetzt auch zur Kraftprobe in Roms zerrütteter Regierung, und Salvini unterlag halb. Wenn er den Rest dieser Seeschlacht erbarmungslos führt, soll das wohl seine alte Härte beweisen.

Wohl und Wehe Geretteter darf aber nicht von Egotrips abhängen. Europa hat die menschliche und politische Pflicht, staatliche Seenotrettung im Mittelmeer zu organisieren. Angela Merkel regte das gerade an. Dann könnten die Salvinis kommen und gehen.

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