ItalienMatteo Renzi auf Abwegen

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Ein Werbeträger des saudischen Regimes? Matteo Renzi, im Bild im römischen Quirinalspalast, muss sich kritische Fragen gefallen lassen.
Ein Werbeträger des saudischen Regimes? Matteo Renzi, im Bild im römischen Quirinalspalast, muss sich kritische Fragen gefallen lassen. Andreas Solaro/dpa

Ein anrüchiger Blitzbesuch des früheren Premiers in Riad überschattet die ohnehin schwierige Suche nach einer neuen Regierung in Rom.

Von Oliver Meiler, Rom

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Vor einigen Tagen, mitten in der laufenden italienischen Regierungskrise, flog Matteo Renzi ins saudische Riad. Er nahm dort an der Future Investment Initiative teil, einer jährlich stattfindenden internationalen Konferenz. Seine Gage: 80 000 Dollar. Renzi sitzt auch im Aufsichtsrat der Organisation. Die Veranstaltung sieht sich als "Davos in der Wüste", als eine Art Pendant zum World Economic Forum von Davos, was den Organisatoren von Letzterem nicht so gut gefällt - aus Imagegründen. Italiens früherer Premier sieht das etwas anders.

Renzi reiste also trotz der römischen Regierungskrise, die er selbst durch seinen Bruch mit Ministerpräsident Giuseppe Conte ausgelöst hatte, nach Riad und interviewte in einem prächtigen Saal den Kronprinzen Mohammed bin Salman, kurz MBS. Der ist auch als "Mr. Everything" bekannt, weil er sich um fast alles kümmert im Land - eine hoch umstrittene Persönlichkeit. Renzi sprach Englisch mit starkem toskanischem Einschlag, der Prinz antwortete auf Arabisch. Einige Ausschnitte wurden auch in Italien ausgestrahlt. In einer Passage sagt Renzi, er komme aus Florenz, der Stadt der Renaissance, nun breche ja Saudi-Arabiens Renaissance an. In einer anderen beneidet er die Saudis um die niedrigen Arbeitskosten, was sich merkwürdig anhörte, weil in Saudi-Arabien viele Zugewanderte zu katastrophalen Bedingungen arbeiten.

Eine Zeitung nennt Renzis Partei jetzt "Arabia Viva"

Renzis Blitzbesuch überschattet nun die Suche nach einer neuen Regierung in Rom, und er kostet den Reisenden weitere Sympathiepunkte zu Hause. Seine Kritiker bezeichnen Renzi als "Werbeträger des saudischen Regimes". Die Zeitung Domani nennt Renzis Partei Italia Viva halb scherzhaft, halb anklagend jetzt "Arabia Viva". Alles an seinem Ausflug wirkte falsch und anrüchig, vor allem das Timing. Dennoch wurde die Affäre zunächst eher klein gehalten. Renzis alte und wohl bald auch neue Regierungspartner, Cinque Stelle und der sozialdemokratische Partito Democratico, wiesen ihre Mitglieder an, die Geschichte nicht zu befeuern - es sei ohnedies schon schwierig genug, das Bündnis zu befrieden.

Auch Renzi selbst hoffte, die Gemüter würden sich beruhigen. Vergeblich. Und so gab er der Sonntagsausgabe des Corriere della Sera ein Interview. "Ich war da für eine Konferenz", sagte er. "Ich nehme an vielen teil, jedes Jahr, überall auf der Welt. Das machen andere ehemalige Regierungschefs auch." Gemeint waren wohl unter anderen Tony Blair und Gerhard Schröder. Doch der Vergleich hinkt.

Bevor Blair und Schröder sich als Conférenciers, Regierungsberater und Aufsichtsräte betätigten, waren sie ganz aus der Politik ausgeschieden. Renzi jedoch, der Italien von 2014 bis 2016 regierte, ist noch immer Senator, Mitglied parlamentarischer Kommissionen und Anführer seiner Partei. Rein formell leitet er Italia Viva zwar nicht, doch die fast 30 Abgeordneten und 17 Senatoren folgen seinen Vorgaben - und sie sind zentral für die Regierungsbildung. Offenbar verletzt Renzi mit seinen gut bezahlten Auftritten keine Gesetze, doch das macht sie noch nicht gut. La Stampa schreibt: "Alles hat seine Grenzen."

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