Italien Lob für Gelbwesten

Italiens Vizepremiers sind voll des Lobes für die Proteste gegen den französischen Präsidenten.

Von Oliver Meiler, Rom

Die französische Protestbewegung der "Gilets jaunes" erhält überraschend öffentliche und wortstarke Unterstützung von den beiden populistischen Parteien, die Italien regieren. "Gelbwesten, gebt nicht auf!", schrieb der italienische Vizepremier Luigi Di Maio, Chef der Fünf Sterne, in einem Eintrag auf deren Blog. "In Italien verfolgen wir Euren Kampf vom ersten Tag an, da Ihr die Straßen von Paris und anderer französischen Städte mit Gelb koloriert." Di Maio glaubt, im Geist der französischen Bürgerbewegung die gleichen Keime auszumachen, die damals, im Oktober 2009, zur Gründung des Movimento Cinque Stelle geführt hätten. "Die Politik ist taub geworden gegenüber den Forderungen der Bürger", schreibt er. Der laute Ruf von der französischen Straße lasse sich im Grunde ja in einer Forderung zusammenfassen: "Lasst uns teilhaben an den politischen Entscheidungen." Italien habe gezeigt, dass das möglich sei. Die Regierung, die seine Partei zusammen mit der Lega von Matteo Salvini anführe, genieße den Konsens von "mehr als sechzig Prozent" der Italiener. Di Maio belässt es aber nicht bei der Umgarnung der Gelbwesten, sondern erlaubt sich auch ein Urteil über die Leistung von Emmanuel Macron und dessen Regierung: "Sie ist nicht auf der Höhe der Erwartungen", schreibt der Arbeitsminister. "Ein Teil ihrer Politik schadet nicht nur den französischen Bürgern, sondern ganz Europa." Salvini, der selbst gerne mit solchen Provokationen auffällt, wollte nicht zurückstehen. "Unsere totale Unterstützung gilt den anständigen Bürgern, die gegen einen Präsidenten protestieren, der gegen sein eigenes Volk regiert", sagte der Innenminister. Macron und Salvini befehden sich schon seit Monaten, vor allem in der Migrationsfrage. Im Gegensatz zu Di Maio differenzierte Salvini jedoch seinen Zuspruch für die Gelbwesten: "Gewaltsame Vorfälle bringen niemandem etwas", sagte er.